Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 1-2 (Juli 1928)
- Date
- 1928-07-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Colonization Association), hatten es im Laufe der Zeit zu einer weitgehenden finanziellen Selbständigkeit gebracht, so daß die Kredite der JCA im Jahre 1913 nur noch einen geringfügigen Prozentsatz der Geldmittel betrugen. Auch in Galizien bestanden genossenschaftsähnliche Kassen, die sogenannten „Baron-Hirsch-Kassen*6, die allerdings mehr den Charakter von reinen Darlehenskassen trugen. Unbekannt hingegen war das Genossenschaftswesen unter der jüdischen Bevölkerung in Ungarn und Rumänien. Es ist vielleicht nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, daß und warum gerade die kreditgenossenschaftliche Bewegung unter den osteuropäischen Juden sich von allen Arten der Genossenschaftsbewegung am meisten und recht günstig entwickelt hat. Diese Entwicklung ist ohne weiteres verständlich, wenn man die Berufsschichtung der jüdischen Bevölkerung des ehemaligen russischen Reiches und Galiziens in Betracht zieht. Mehr als 2/a der jüdischen Bevölkerung, aus Händlern und selbständigen Handwerkern bestehend, bilden das für die Kreditgenossenschaften natürliche Material, und die Kreditgenossenschaftsbewegung ist ihrerseits der natürliche Ausdruck der ökonomischen Bedürfnisse dieser vermittelnden und kleingewerblichen Klasse. Demgegenüber hatte die Konsum-Genossenschaftsbewegung unter den Juden weder in der Vorkriegszeit noch auch heute große Entwicklungsmöglichkeiten, da es an konzentrierten Massen jüdischer Arbeiter fehlte, und auch trotz der Proletarisierung Tausender von Handwerkern eine Massierung jüdischer Arbeiter auch in der Nachkriegszeit bis jetzt nicht eingetreten ist. Der Krieg, der die Evakuierung ungeheurer jüdischer Massen und die Zerstörung Hunderter von jüdischen Städten und Städtchen brachte, später dann der Bürgerkrieg und die Devalouierung der Landeswährungen, haben das jüdische Genossenschaftswesen vernichtet. Das völlig verarmte, dazu noch plötzlich in verschiedene Judenheiten gespaltene, durch wirtschaftlich sinnlose Zollgrenzen und Verkehrshinderungen in seiner ökonomischen Existenz schwer getroffene Judentum des Ostens war ohne die Hilfe des westeuropäischen und amerikanischen Judentums nicht imstande, die zerstörten Institutionen der wirtschaftlichen Selbsthilfe wieder aufzubauen. Es ist das historische Verdienst des American Joint Distribution Committee und der Jewish Colonization Association, nach dem Kriege mit Energie an die Wiederaufrichtung des Zerstörten herangegangen zu sein. Verluste, die durch den wiederholten Zusammenbruch der Landeswährungen auch in der Nachkriegszeit in manchen Ländern, z. B. Polen, eintraten, haben beide Organisationen nicht abgehalten, ihre konstruktive Kredittätigkeit zum Wohle des Wiederaufbaus des Kreditgenossenschaftswesens durch die American Joint Reconstruction Eoundation, die vom Joint und JCA gemeinsam gebildete Organisation, energisch und systematisch fortzusetzen. Wenn wir von der Entwicklung der Bewegung in Rußland absehen, die in jeder Beziehung einer besonderen Betrachtung bell