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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-06-01 · 12 (Juni 1928) · page 14

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
12 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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tober 1927 bis 31. März 1928. Die verschiedenen Versuche, die zu berücksichtigen sind, erstrecken sich auf 6 Gebiete: 1. Ausbildungskurse und Darlehen zum Wiederaufbau der Existenz. Während ursprünglich Ausbildungskurse zur handwerklichen Berufsausbildung bzw. Vervollkommnung vorgesehen waren, sind solche nur in Einzelfällen durchgeführt worden. Die Gründe hierzu liegen zunächst darin, daß gegen Ende des vorigen Kalenderjahres die Zahl der jüngeren Erwerbslosen sich außerordentlich verringerte und somit von vornherein die Zahl der in Betracht kommenden Menschen herabsank. Die Schwierigkeiten im Einzelfall lagen dann vielfach in wirtschaftlichen Verhältnissen, vor allem aber in dem häufigen Arorhandensein einer tatsächlichen Erwerbsbeschränkung. So wurde nur in Einzelfällen die Ausbildung zu Zuschneidern, Kinovorführern usw. ermöglicht. Während die Zahl der jüngeren Erwerbslosen zeitweise fast auf Null sank, verminderte sich die Zahl der älteren Stellungsuchenden fast gar nicht. Man stand daher vor der Notwendigkeit, hier in Einzelfällen die Möglichkeit zum selbständigen kleineren Handel zu geben. Die Höhe der Darlehen war verschieden und erreichte in Einzefällen 200.— Mark. Es ist selbstverständlich, daß diese Darlehen nicht auf Grund 100%iger Sicherheit gewährt werden konnten; immerhin sind schon jetzt vereinzelt Rückzahlungen erfolgt. Es wurden auf diese Weise insgesamt 90 Personen mit 3473,85 Mark unterstützt. 2. Den Bemühungen, älteren Angestellten, deren Arbeitsunterbringung so außerordentlich erschwert ist, ab und zu Verdienstmöglichkeiten zu schaffen, ist die Eröffnung einer Schreibstube zu danken, die in der Berichtszeit an 28 Personen 937,21 Mark Arbeitslohn auszahlen konnte. 3. Leider sind die Möglichkeiten, durch größere öffentliche Arbeiten in stärkerem Maße manuelle Arbeiter als Notstandsarbeiter zu beschäftigen, sehr gering. Eine größere Planierungsarbeit auf dem jüdischen Friedhof wurde zu Beginn des Winters in Angriff genommen, mußte aber infolge des frühzeitig eintretenden Frostwetters bald unterbrochen werden. Für die Arbeiten war ein Etatstitel im Haushaltsplan vorgesehen, der Zuschuß, der durch die Beschäftigung ungeübter Leute notwendig war, beträgt daher nur für 6 Personen 176,80 Mark. Die Arbeiten werden im Laufe des Sommers 1928 beendet werden. 4. Die jüdische Brockensammlung ..Peah", deren Holzspaltereibetrieb seit der Kriegszeit nicht mehr arbeitete, hat diesen mit Hilfe des vorliegenden Fonds wieder eröffnet. Es war bezweckt. Menschen, jüngere und ältere, die längere Zeit erwerbslos waren, wenigstens zeitweilig zu beschäftigen, um ihre Arbeitskräfte nicht völlig erlahmen zu lassen. So wurden in diesem Betrieb in der Berichtszeit 59 Personen beschäftigt, die einen Lohn von 2640,35 Mark ausgezahlt erhielten. Von einer Rentabilität dieser Holzspaltereianstalt kann, wie auch das Beispiel größerer Institutionen der konfessionellen und öffentlichen Fürsorge beweist, nicht die Rede sein. Trotzdem erscheint es natürlich außerordentlich hoch, wenn sämtliche gezahlten Löhne aus Wohlfahrtsmitteln fließen müßten, während die Differenz zwischen dem Linkaufspreis des Holzes und dem Verkaufspreis nach erfolgter Bearbeitung nur die außerordentlich hohen Spesen für Propaganda. Verwaltung usw. deckte. Eine genauere Kalkulation wird vielleicht hier eine Besserung herbeiführen können. 5. Von der Einrichtung einer eigenen Nähstube ist mit Rücksicht auf bestehende Beziehungen zu den gemeinnützigen Werkstätten der Stadt Breslau einerseits und auf ein Privatinstitut, auf das Einfluß genommen werden konnte, andererseits, Abstand genommen worden. Es galt hier zunächst einmal, wiederum Versuche zu machen, bevor mit der Einrichtung selbständiger Werkstätten begonnen wird. Abschließendes hierüber läßt sich noch nicht sagen, da erst 7 Frauen und Mädchen für diese Kurse gewonnen worden sind, für die hierzu ein Zuschuß von insgesamt 180.— Mark gewährt wurde. 6. Die besonders hohe Zahl früherer selbständiger Kaufleute aus den früher deutschen Gebieten der Provinzen Posen und Oberschlesen in Breslau bewirkte, daß hier in großzügigster Weise durchgegriffen werden mußte, um diesen Menschen wieder zu einer Selbständigkeit zu verhelfen. Da die Zahlung der Entschädigung für 242

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