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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-05-01 · 11 (Mai 1928) · page 12

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
11 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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5. Der Ton. den Herr M. A. Loeb anzuschlagen beliebt, und die Unsachlichkeit seiner Ausdrucksweise (Unwahrheit, mangelnde Kenntnis, nicht zu entschuldigende Ueberheblichkeit, mangelnde Umsicht usw.) scheinen allerdings nicht dafür zu sprechen, daß Herr L. eine klare und entscheidende Darlegung seiner Ansichten für ausreichend überzeugungskräftig erachtet. Wir müssen es uns im allgemeinen Interesse versagen, auf die Tonart des Herrn Loeb, die eine ernsthafte Auseinandersetzung kaum möglich macht, näher einzugehen. Jüdische Bevölkerungspolitik Die jüdische Oeffentlichkeit beginnt endlich, den Fragen jüdischer Bevölkerungspolitik ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Wir veröffentlichen im folgenden im Auszug das Referat Prof. Dr. Hanauers, das er auf der Tagung der jüdisch-konservativen Vereinigung zu Frankfurt a. M. gehalten hat. Wenn auch verschiedene von ihm erwähnter Momente eine andere oder erweiterte Deutung zulassen (die Mischehen von Ostjuden z. B., die in vielen Kleingemeinden zu beobachten sind, sind das Ergebnis der jüdisch-gesellschaftlichen Abgeschlossenheit, in der die Ostjuden leben), so ist doch das Referat als wertvoller Beitrag zur Diskussion anzusehen: „Was ist Bevölkerungspolitik? Politiktreiben heifit, die Staatsverwaltung nach einer gewissen Richtung führen, sei es die gesamte Staatsverwaltung, seien es einzelne Zweige derselben z. B. den Handel, den Verkehr, die Steuern usw. So gibt es eine Handels-, Verkehrs- und Steuerpolitik. Auch die Bevölkerung muß und kann Objekt der Politik sein, sowohl hinsichtlich der Quantität wie der Qualität. Die Bevölkerungspolitik ist alsdann der Inbegriff aller Maßnahmen, welche sich auf den Stand, die Bewegung, den Wohnsitz, den Beruf der Bevölkerung beziehen. Im engeren Sinn hat man sich gewöhnt, unter Bevölkerungspolitik Maßnahmen zu verstehen, welche sich auf die Vermehrung der Geburtenziffern beziehen. Der Staat hat ein großes Interesse daran, über die Größe seiner Volksziffer unterrichtet zu sein, ob diese zu- oder abnimmt. Zu diesem Zweck veranstaltet er von Zeit zu Zeit Volkszählungen; diese haben vor dem Kriege alle 5 Jahre stattgefunden, sie wurden durch den Krieg unterbrochen. 1925 hat dann wieder zum ersten Male eine Volkszählung nach dem Kriege stattgefunden. Bei dieser Volkszählung hat auch, wie immer, eine Ausscheidung der Gezählten nach der Konfession stattgefunden. Die Zahl der Juden hat zwar in Deutschland gegenüber 1910, der letzten Volkszählung vor dem Kriege, um 29 000 zugenommen, sie ist zwar von 535 000 auf 565 000 gewachsen, aber dieses Wachstum ist nicht auf natürlichem Wege zustande gekommen, durch Ueberschuß der Geborenen über die Gestorbenen, sondern durch Zuwanderung aus den abgegrenzten Gebieten, aus Schlesien, Polen, Westpreußen, die vor allem nach Preußen. Berlin und Sachsen erfolgte, aus Elsaß- Lothringen, die in erster Linie sich nach Süddeutschland wandle. Dazu kommt die Zuwanderung aus dem Osten, aus Rußland, Galizien, Ungarn. Gewachsen sind durch die Zuwanderung: Berlin, Frankfurt und einige andere Großstädte: Köln, Breslau, Hannover und die Städte des Ruhrgebietes. Gewonnen haben die preußischen Provinzen Brandenburg, Rheinland, Westfalen, Hessen-Nassau und der Freistaat Sachsen. Im übrigen ist überall eine Abnahme zu verzeichnen. Vor allem bemerkenswert sind die Verluste, welche die süddeutschen Staaten aufzuweisen haben. Bayern verlor 6000; die Ziffer der Juden fiel von 55 000 auf 49 000; in Hessen von 24 000 auf 20 000, Verlust 4000; Baden verlor 1800, Württemberg 1100. Es nahmen ab unter anderem München, Würzburg, Fürth, Darmstadt (von 2000 auf 1600), Offenbach von 2300 auf 1600, Mainz von 2900 auf 2700. Auch in Bremen und Thüringen hat die Zahl der j uden abgenommen. Eine Bevölkerung kann sich nur vermehren, wenn die Zahl der Geborenen in erheblichem Maße die der Gestorbenen übertrifft. Andernfalls wird die Bevölkerungsbilanz negativ, das ist z. Zt. in Deutschland bei den Juden der Fall, da in den großen Städten, in welchen zwei Drittel der deutschen Juden wohnen, heute überall mehr Juden sterben als geboren werden. Wenn in Berlin die jüdische Bevölkerung von 1910 auf 1925 von 143 000 auf 172 000 gestiegen ist, in Frankfurt von 224

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