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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-05-01 · 11 (Mai 1928) · page 11

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
11 (Mai 1928)
Date
1928-05-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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R UN DSCHAU „Probleme jüdischer Arbeitslosigkeit" Zu unserem Aufsatz „Probleme jüdischer Arbeitslosigkeit", im vorigen Heft, nimmt Herr M. A. Loeb in Nr. 15 des jüdischen Wochenblattes, Frankfurt/M., Stellung, indem er in unverständlicher Weise die Probleme der jüdischen Arbeitslosigkeit mit einem Fragezeichen versieht. Der umfangreiche Artikel des Herrn Loeb behandelt nicht das gesamte Gebiet der von uns angeschnittenen Frage, sondern greift nur jenen Passus heraus, der sich mit den Fragen des jüdischen Arbeitsnachweiswesens als Instrument zur Heiligung des Sabbat h befaßt. 1. Wir hatten festgestellt, daß der jüdische Arbeitsnachweis als eine Einrichtung der jüdischen Gemeinschaft die Beschaffung sabbathfreier Stellen als eine seiner wichtigsten Aufgaben ansehen muß. Demgegenüber stellt Herr L. fest, daß die bestehenden jüdischen Arbeitsnachweise dieser Idee abtrünnig werden, wenn sie Stellen vermitteln, in denen auch am Sabbath gearbeitet wird. Dieser Einwand des Herrn Loeb bedeutet einmal eine vollständige Verkennung — subjektiv und objektiv — der gegebenen Wirtschaftslage, des Bedürfnisses nach sabbathfreien Stellen und des im besten Falle möglichen Vorhandenseins solcher Stellen. HerrL. übersieht die entscheidende Tatsache, daß die jüdische Arbeitslosigkeit katastrophaler und umfangreicher ist, als daß sie jemals durch sabbathfreie Stellen aufgehoben werden könnte. Es wäre also Herrn L. lieber, Menschen dem Hunger und der Wohlfahrtspflege preiszugeben, als ihnen durch Arbeit ihre Menschenwürde zu erhalten. 2. Herr L. nennt unsere Behauptung, daß die Neugründung jüdischer Arbeitsnachweise, die nur sabbathfreie Stellen vermitteln, eine Zersplitterung des gegenwärtigen jüdischen Arbeitsnachweiswesens bedeutet, „unwahr". Wir wissen nicht, was für Herrn L. das Kriterium für Unwahrheit ist, aber wir wissen mit aller Bestimmtheit, daß der jüdische Arbeitsmarkt keineswegs jenen Umfang und jene Möglichkeiten hat, als daß er die Existenz mehrerer Arbeitsnachweise vertragen könnte. Man denke nur an das von Herrn L. angeführte groteske Beispiel einer jüdischen Kleingemeinde wie Würzburg, in der plötzlich neben dem bestehenden jüdischen allgemeinen Arbeitsnachweis noch ein zweiter nur für sabbathfreie Stellen gegründet wird. 5. Herr L. stellt fest, daß die „Vereinigte Zentrale für jüdische Arbeitsnachweise", die Spitzenorganisation des jüdischen Arbeitsnachweiswesens, bisher bei der Beschaffung von sabbathfreien Stellen nur „klägliche Resultate" aufzuweisen hat. Diese Behauptung zeugt allerdings wie manche andere des Herrn L. von vollständiger Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse. Die „Vereinigte Zentrale" vermittelt überhaupt keine Stellen — das ist Aufgabe der örtlichen Arbeitsnachweise —. sondern sie ist nur die zentrale Reichsausgleichsstelle und die Spitzenorganisation des jüdischen Arbeitsnachweiswesens. Wenn HerrL. seine „kläglichen Ergebnisse" allerdings auf den Berliner jüdischen Arbeitsnachweis beziehen sollte, so ist hierzu festzustellen, daß die 10 0 0 nachgewiesenen sabbath f r e i e n Stellen immerhin die doppelte Zahl jener Stellen darstellen, die der Berliner Schomre Schabbos-Arbeitsnachweis auf Grund der amtlichen Statistik vermittelte. Daß die Zahl des Berliner Arbeitsnachweises keine höhere ist, ist sicherlich nicht Schuld des Arbeitsnachweises, sondern all jener Kreise, die es ablehnen, Personal einzustellen, das am Sabbath nicht arbeitet. 4. Herr L. stellt fest daß die Vermittlung sabbathfreier Stellen für religiös-konservative Kreise Herzenssache, dagegen für die Schriftleitung dieser Zeitschrift Beruf sei. Dazu ist zu bemerken, daß erstens die Schriftleiter in keiner Weise beruflich im Arbeitsnachweiswesen tätig sind, und daß zweitens das Zeitalter des Dilettantismus im Arbeitsnachweiswesen (auch für Herrn L.) endgültig vorbei ist. Der jüdische Arbeitsnachweis gehört zu jenen schwierigen wirtschaftspolitischen Gegebenheiten, denen mit einem noch so guten Herzen und einem noch so starken ehrenamtlichen Wollen nicht zu helfen ist. 223

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