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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-04-01 · 10 (April 1928) · page 11

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
10 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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und eine in Paris (letztere für Angelegenheiten Südamerikas). Der Verwaltungsrat hat leider beschlossen, die Berliner Direktion nach Paris zu verlegen. Diese Maßnahme scheint uns nicht glücklich gewählt zu sein. Paris liegt den Ursprungsländern der jüdischen Wanderung und der jüdischen Massensiedlung zu fern, als daß der wünschenswerte enge Kontakt sich von dort aus mit der gleichen Intensität herstellen ließe wie von Berlin. Eine Verbilligung der Verwaltungskosten dürfte kaum eintreten, da der größte Teil der Verwaltungsratsmitglieder seinen Wohnsitz nicht in Frankreich hat. Der umgekehrte Weg, nämlich die Verlegung der Pariser Direktion nach Berlin, wäre der gegebene und sinnvollere gewesen. Wieviele Ausländer gibt es in Deutschland? In Zeiten wirtschaftlicher Krisenperioden wird die Beschäftigung der Ausländer in Landwirtschaft und Industrie immer wieder erneut diskutiert. Die Zahlen der beschäftigten Ausländer, die sehr oft genannt werden, scheinen allerdings für den deutschen Arbeitsmarkt eine ernste Frage zu bedeuten. Wir waren bisher auf Schätzungszahlen angewiesen, so daß ein endgültiges Urteil nicht möglich war. Das preußische statistische Landesamt veröffentlicht nunmehr auf Grund der Tätigkeitsberichte der deutschen Arbeiterzentrale Nachweisungen über die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Landwirtschaft und Industrie. Diese offiziellen Zahlen ergeben allerdings ein völlig anderes Bild. Sie erweisen, daß die Zahl der Ausländer im Vergleich zur gesamten arbeitenden Bevölkerung Deutschlands keine irfendwie entscheidende Rolle spielen. Is wird ganz im Gegenteil aus ihnen ersichtlich, daß das Beschäftigungsproblem der Ausländer im Gegensatz zur Vorkriegszeit für die Belastung des deutschen Arbeitsmarktes keinerlei Rolle spielt. Die Zahl der arbeitenden Ausländer in Deutschland ist im Vergleich zum Jahre 1913 auf ein Fünftel gesunken. Es wird daraus mit aller Deutlichkeit ersichtlich, daß das Schlagwort von der Ueberschwemmung Deutschlands durch Ausländer eine arge Uebertreibung ist. Die Herabminderung der Zahl sollte dazu führen, die Ausländergesetzgebung auf dem Gebiete des Arbeitsrechtes einer Revision zu unterziehen. Die gegenwärtigen Beschränkungen entstammen einer Zeit der schwierigen wirtschaftlichen Depression Deutschlands, insbesondere des Ruhrkampfes. Es darf bei Betrachtung der Sachlage nie verkannt werden, daß eine weit größere Zahl Deutscher gezwungen ist, im Auslande Dienst zu nehmen, und daß schon aus diesem Gesichtspunkte allein es wünschenswert ist, einer liberalen rechtlichen Regelung Raum zu geben. Denn man wird nur dann im Auslande für den deutschen Arbeitnehmer eintreten können, wenn man darauf hinweisen kann, daß die im Inland beschäftigten Ausländer wesentliche Schwierigkeiten, sofern sich nur irgendeine Einordnungsgewähr in das deutsche Wirtschaftsleben ergibt, nicht haben. Wir lassen nunmehr die offiziellen Zahlen selbst sprechen: Landwirtschaft Industrie u. sonstig Insgesamt 1905 206 983 228 700 435 683 1906 236 068 369 271 605 338 1907 258 354 474 653 733 007 1908 308 953 471469 780 422 1909 313 569 450115 763 684 1910 338 313 451 876 790 189 1911 345 989 474 842 820 831 1912 355 343 510 002 865 345 1913 364 633 551 371 916004 1914 383 258 517 522 900 780 1922 112 710 110 624 223 334 1923 90 293 85 821 176114 1924 83 700 56 991 140 691 1925 107 087 99 971 207 058 Die in der Industrie tätigen ausländischen Arbeiter verteilten sich auf die einzelnen Erwerbszweige, wie folgt: Industrie und Lohnarbeit Berg¬ Gewerbe, einwechs. Art, Insbau schl. Gastu. häusl. Dienste, gesamt Schankwirtach. sonst. Berufe 1922 38216 52 218 20190 110624 1923 23145 29 848 11 124 85821 1924 17760 19827 19 404 56991 1925 27335 37 580 35 056 99971 Von den einzelnen preußischen Provinzen hat die Rheinprovinz in den 4 Jahren 1922 bis 1925 die größte Zahl von Ausländern beschäftigt (Land- und Industriearbeiter); an zweiter Stelle folgte in den Jahren 1922 und 1923 207

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