Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 10 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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theoretischer Vertiefung in erster Linie Anregungen empfangen, die die praktische Arbeit befruchten und weiten. Derartige Möglichkeiten können aber von den Referenten nicht eröffnet werden, wenn sie verpflichtet sind, in einer Stunde ihr gesamtes Arbeitsgebiet in seinen Grundzügen vorzutragen. Auf der anderen Seite muß allerdings gesagt werden, daß der Kursus in der vorliegenden Form den Vorzug hatte, einmal die Gesamtheit aller sozialpolischen und wohlfahrtspflegerischen Problematik in kurzen Zügen vor Augen zu führen. Sieht man von Mängeln und Details in der Organisation der Schulungswoche ab, so kann sie alles in allem als ein erfreulicher Versuch gewertet werden, der aber auch nach mancher Richtung hin für die Zukunft gelehrt hat, was bei derartigen Veranstaltungen überflüssig ist, und was eine schärfere und deutlichere Hervorhebung verdient. C. G. Jahresversammlung der Hicem in Paris Unter dem Vorsitz von Herrn Dr. James Simon (Berlin) wurde in Paris die Jahresversammlung des Verwaltungsrates der Emigrationsvereinigung „Hias-Ica-Emigdirekt" (Hicem) abgehalten. Herr Dr. James Simon erstattete Bericht über die Tätigkeit von Hicem in den ersten neun Monaten des Bestehens (1. April bis 31. Dezember 1927). In der Berichtszeit haben sich in Europa 31 504 Personen an Hicem gewendet. Die Zahl der Besucher in dem Büro beträgt 69 489; 43 989 Informationen wurden erteilt; 12 000 Personen erhielten juridische Hilfe (Visa, Pässe usw.); 232 Emigranten, davon 192 Chaluzim, wurden in der Landwirtschaft ausgebildet. Außerdem fanden Kurse für technische Berufsausbildung in Warschau, Lemberg und Kischinew statt. In Polen, Rumänien, Litauen und Lettland wurden 30 Sprachkurse abgehalten, die von 744 Lernenden besucht worden waren. Dank der Initiative von Hias-Ica- Emigdirekt hat sich die Tätigkeit der Lokalkomitees in Südamerika verstärkt; in Rio de Janeiro wurde das Komitee reorganisiert, neue Komitees wurden in Porta Alegre, St. Paul und Curitiva begründet. In der Hauptstadt von Uruguay, Montevideo, sowie in den wichtigsten Provinzstädten Argentiniens, Rosario, Cordovo, Bahai Bianca, wurden Arbeitsvermittlungsbüros eingerichtet. In Kanada wurden die Komitees der Ica und des Wanderer-Hilfsvereins vereinigt und als Abteilung von Hicem in Kanada neu konstituiert. Zum Präsidenten des Verwaltungsrates von Hias-Ica- Emigdirekt wurde Herr Dr. Oskar Cohn, zum Präsidenten der Executive Herr Dr. James Simon gewählt. Das Budget für 1928 wurde bestätigt. Für die Tätigkeit in den Einwanderungsländern, vor allem Südamerikas, wurde eine Summe von 100 000 Dollar eingesetzt, von welchen 40 000 Dollar als Kredithilfe für Einwanderer bestimmt sind. Herr Dr. Oskar Cohn referierte über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Auswanderung nach Südamerika. Nach diesem Referat beschloß der Rat, eine spezielle Abordnung nach Südamerika zu entsenden, welcher der Präsident von Hias-Emigdirekt, Dr. Krainin, das Mitglied des Direktoriums von Hias in New York, Benjamin, angehören werden. Der Abordnung schließt sich auch der Generaldirektor der Jewish Colonisation Association, Herr Dr. Louis Oungre, an. Hauptaufgabe der Abordnung wird es sein, das Interesse des südamerikanischen Judentums für das Problem der jüdischen Einwanderung zu wecken, die Lage in den verschiedenen Ländern Südamerikas mit Bezug auf ihre Aufnahmefähigkeit für neue jüdische Wanderer eingehend zu studieren und die notwendigen Maßnahmen zur Verbreiterung des Arbeitsfeldes der lokalen Komitees und zur Verwirklichung des Programms von Hias-Ica-Emigdirekt auf dem Gebiete der Kredithilfe, der Arbeitsvermittlung, der professionellen und der sprachlichen Vorbereitung der jüdischen Wanderer zu ergreifen. Die Abordnung wird der Executive von Hicem ihren Bericht unterbreiten, der als Grundlage für weitere Beschlüsse über die Arbeit in Südamerika dienen wird. Die Abordnung wird sich einzig und allein mit Einwanderungsangelegenheiten zu befassen haben; Fragen der Kolonisation entziehen sich ihrer Kompetenz. Bekanntlich existieren bis jetzt zwei Direktionen der Hicem. eine in Berlin 206