Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 10 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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für Jahre Tragik, für immer Zertrümmerung jeden Glaubens an alles Gute, Schöne, Wahre. So bleibt die Frage nach dem „was tun?" Umschulen! Das ist um so schwieriger, je älter der Mensch ist. Einfach deshalb, weil viele Berufe Eindringen und Uebung von Jugend an verlangen. Körper und Geist sind Jahrzehnte in bestimmter Richtung gewachsen, und nun gar Umschulung der Konkurrenzfähigkeit denen gegenüber, die in den betreffenden Berufen aus Anlagen und Neigung hineingewachsen sind. Umschulung der Jüngeren wäre zweckmäßiger. Sie aber werden gerade in steigendem Maße gefragt, haben also die Umschulung also gar nicht so bitter nötig. Beispiel: Der mit im Ausland erworbenen Sprachkenntnissen gesuchte 25-jährige Korrespondent mit Direktoreigenschaften. Das ist kein Scherz. Das lacht einem als bittere Ironie aus dem Anzeigenteil der Zeitungen entgegen. Und zu was Umschulung? Der Stellenmarkt der Arbeiter ist wohl etwas besser, aber auch noch schlecht. Mindestens ist kein Platz für kümmerlich Umgeschulte, und jede Gruppe wehrt sich gegen die Zufuhr aus berufsfremdem Lager. Steigerung der Leistungsfähigkeit der älteren Angestellten durch besondere Ausbildungskurse usw. Schön! Die Denkschrift des RAM spricht selbst davon, daß die Verbände der Angestellten das mit wertvollen eigenen Einrichtungen unterstützt haben. Denn wir wollen selbst, daß auch der Aeltere leistungsfähig ist und bleibt. Das Lernen aber muß ein Ziel haben. Dem stärksten Bildungswillen wird das Rückgrat gebrochen, wenn mit den steigenden Ergebnissen dieser Bildungsarbeit durch das Verrauschen der Zeit die Aussicht auf Anwendung des Erworbenen dennoch beständig geringer wird. Drei Trockenschwimmkurse hintereinander hält kein Gesunder aus. Ermöglichung der Selbständigmachung. Das ist ein kleines Feld. Reichsmittel müssen beschafft werden, um den aus dem Leben Gewirbelten Möglichkeiten, die sich bieten, erfassen zu lassen. Die Denkschrift des RAM geht daran vorsichtig vorbei. Diese Frage muß vorwärts getrieben werden. Die „notleidenden" Wirtschaftsführer haben es immer besser verstanden, Unterstützungen aus Reichsmitteln zu erhalten. Siehe: Subvention der Werften, die 700-Millionenhilfe für Ruhr-Industrie und den (glücklicherweise nicht in Erfüllung gegangenen) Antrag auf eine 20-Millionenunterstützung der Firma Krupp im vorigen Jahr, die jetzt nicht weiß, wohin sie ihren Gewinn aus dem gleichen Jahr verstecken soll. Aber immerhin, alle älteren stellenlosen Angestellten können sich nicht selbständig machen. Dann würden sie sich gegenseitig untergraben, und die Wirtschaft hätte gar keinen Gewinn davon. Herabsetzung der Altersgrenze in der Angestelltenversicherung auf 60 Jahre. Das fordern 202