Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 10 (April 1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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mittleren Dauer der Stellenlosigkeit der jüngeren von acht Monaten. 1927 befanden sich in der Krisenfürsorge von den Angestellten in der Altersgruppe von über 21 bis 30 Jahren 16,6 Prozent, in der Altersgruppe von über 30 bis 40 Jahren 24,1 Prozent, in der Altersgruppe von über 40 Jahren 32 Prozent. Vor der Feststellung der mittleren Dauer der Stellenlosigkeit des 50-jährigen Angestellten schreckt man zurück. Sie ist meist vierjährig (seit 1924) und für viele so gut wie lebenslänglich. Und nicht nur für Fünfzigjährige. Fünfzig Jahre sind sonst Höhepunkt. In den Zahlen der Erwerbslosenstatistik welkt der Mensch mit 50 und ist mit 40 altes Eisen. Baut ab, ihr Herren von der Wirtschaft, über 40 oder gar 50, und ihr von der Regierung. Ihr seid zu alt und zu teuer. Die Erwerbslosenziffern der älteren Angestellten beweisen eure Verbrauchtheit, und ihr wollt doch kein Sonderrecht. Für euch, etwa nur, weil ihr es seid? In eigener Sicherstellung mitleidet es sich gut. Erst das Schwinden des Bodens unter den eigenen Füßen lehrt das Grausen. Es sei doch schon gesorgt! Arbeitslosenunterstützung, Krisenfürsorge, Wohlfahrtspflege! Ja, so geleitet man arbeitsfähige Menschen langsam zu geistigem und körperlichem Tode. Das „zu alt'* der Wirtschaft wird zu einer Sonderkammer des Krankenhauses, in die man Sterbende fährt, wenn sie noch leben. Zerschlagt diesen Stempel „zu alt"! Es handelt sich um keine unglücklichen Krüppel oder Sieche, die ein Schicksal dazu verdammt, kümmerlich für sich sorgen zu lassen. Es sind arbeitshungrige, arbeitsgewohnte Menschen von Fleisch und Blut wie wir alle. Die bisher gaben, was sie konnten, und erst durch das fehlende Verantwortungsbewußtsein unserer Wirtschaft zu geistigen Krüppeln gemacht werden. Die Wirtschaft ist blind. Sie sieht nur, daß jeder auf die Dauer beiseite geschleuderte Arbeitsfähige eine Minenlegung und jede verzweifelte Gashahnöffnung die Anzündung einer Zündschnur ist. Und jede Explosion reißt ein Stück Glauben an Richtigkeit und Berechtigung dieser kurzsichtigen Wirtschaftsführung und -Ordnung nieder. „ ... und handeln sollst du so, als hinge von dir und deinem Tun allein das Schicksal ab der deutschen Dinge, und die Verantwortung wär dein.64 Wo ist die wache Seele der heutigen Wirtschaft? Wo sind ihre Bannerträger? Die Staatsmänner der Wirtschaft? Wer soll eine Ordnung retten, die sich selbst aufgibt, indem sie sich keine Führer stellt, sondern nur Beauftragte? Wo ist über die Organisation und Organisiererei hinaus der sittliche Gedanke? So kommt die Wirtschaft bis morgen. Dann greift ihr ein anderes in die Zügel. Erwerbsunfähigkeit aus Alter, Krankheit, Siechtum genießt dankbar die Unterstützung für Lebensfristung. Erwerbslosigkeit bei frischen Kräften mit brennender Gier nach werteschaffender Arbeit im Herzen ist für Monate Qual, 201