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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-04-01 · 10 (April 1928) · page 4

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
10 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Es darf auch nicht dazu kommen, daß derartige Einrichtungen im Laufe der Zeit sich wohl einen festen Stamm von Arbeitern erziehen, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in größerem Umfange aber nicht mehr beitragen. Aus den Erfahrungen, die bisher mit jüdischen Notstandsunternehmungen, namentlich in Berlin, gemacht wurden, muß auf diese Tatsache besonders hingewiesen werden. Dieser Tatbestand ist das Ergebnis der Verwechselung der Begriffe „Wirtschaftlichkeit" und „Rentabilität". Wohl sollen produktive Notstandsunternehmungen wirtschaftlich geleitet sein, d. h. sparsam geführt, unter Vermeidung unnötiger Ausgaben, unter Ausnutzung aller wirtschaftlichen Gegebenheiten. Aber produktive Wohlfahrtsunternehmungen können nie rentabel sein, wenn Rentabilität Selbsterhaltung des Betriebes oder gar Ueberschuß bedeutet. Als Wohlfahrtseinrichtungen sind sie den Zwekken der Fürsorge gewidmet und damit dem Kriterium der Rentabilität entrückt. Zu einer der wichtigsten produktiven Einrichtungen, die der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit von Strafentlassenen und Erwerbsbeschränkten dienen, gehört die jüdische Arbeiterkolonie, für deren Errichtung in diesen Blättern immer wieder geworben wird. Sie ist die einzige Einrichtung, die es ermöglichen könnte, eine größere Anzahl jüdischer Erwerbsbeschränkter zu geregelter Arbeit zurückzuführen, sie in ihrer Arbeitswilligkeit zu kräftigen und ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Die Probleme der jüdischen Arbeitslosigkeit bedürfen zweifellos nach mancher Richtung hin auch einer theoretischen Klärung. Diese kann aber nur dann von Nutzen sein, wenn durch sie die praktischen Arbeitsmöglichkeiten gefördert, die Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Verdrängung der Juden vom Arbeitsmarkt verstärkt werden. VON DER „FREIHEIT" DER WIRTSCHAFT UND IHREN OPFERN (DIE TRAGÖDIE DER ÄLTEREN ANGESTELLTEN) VON MAX ROSSIGER, M ITGL. D. REICHSWIRTSCHAFTS RATES, BERLIN Seit Mitte 1925 ist in dem düsteren Buche der Erwerbslosigkeit die Stellenlosigkeit des älteren Angestellten die trübste Seite. Einige Zahlen aus der jetzt vorliegenden Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums: Im Januar 1927 waren von allen vorhandenen Arbeitslosen 10 Prozent Angestellte, im Juli 1927 16,5 Prozent. In der Erwerbslosenfürsorge ist der Anteil der Angestellten von 7 Prozent im Januar 1927 auf 17,1 Prozent im Oktober gestiegen. Von den im Jahre 1926 vorhandenen Erwerbslosen waren 1927 bei den Angestellten noch 19,4 Prozent, bei den Arbeitern noch 10 Prozent in dieser Fürsorge. Im Jahre 1925 betrug die mittlere Dauer der Stellenlosigkeit des über 40-jährigen Angestellten 12,5 Monate gegenüber einer 200

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