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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-04-01 · 10 (April 1928) · page 3

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
10 (April 1928)
Date
1928-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ist eine derart elastische, daß sie jedem Kreise und jeder Anschauung die Möglichkeit der Mitarbeit bietet. Sie ist, was nicht oft und nachdrücklichst genug versichert werden kann, in erster Linie darauf bedacht, jenen jüdischen Arbeitnehmern zu Stellen zu verhelfen, die auf Heiligung des Sabbath besonderen Wert legen. Die Schaffung eigener sabbathtreuer Arbeitsnachweise bedeutet eine Zersplitterung der Arbeit, eine Schädigung der gegebenen und begrenzten Möglichkeiten, eine Vergeudung von Geldmitteln und Kräften, Kräften, die sich in gemeinsamer Arbeit sowohl für die Sabbathheiligung als auch in der Bekämpfung der jüdischen Arbeitslosigkeit überhaupt viel besser auswirken können. Neben diesen besonderen Schwierigkeiten unserer jüdischen Situation hat der jüdische Arbeitsnachweis mit Erschwernissen zu ringen, die keine typisch jüdischen sind, sondern die auch jeden anderen Arbeitsnachweis vor entscheidende Aufgaben stellen. Die eigenartige Wirtschaftsstruktur der Juden aber, insbesondere die Ueberbesetzung der Kaufmannsschichten, bedeuten eine Steigerung der allgemeinen, auch sonst feststellbaren Notstände. Die Tragödie der älteren Angestellten insbesondere — und dies sind schon sehr oft Personen, die kaum das fünfunddreißigste Lebensjahr überschritten haben — ist für den jüdischen Arbeitsnachweis eine besondere und schwierige Eigenaufgabe, denn bei der großen Zahl jüdischer Handelsangestellter bedeuten die älteren Angestellten eine besondere Belastung des jüdischen Arbeitsnachweises. Jeder Arbeitsnachweis ist mit derartigen älteren Angestellten, die in der freien Wirtschaft kaum noch unterzubringen sind, belastet. Versuche einer Berufsumschichtung oder Versuche zur Verselbständigung sind zwar in Einzelfällen von Erfolg begleitet, es fehlen aber die Kräfte und Geldmittel, um derartige Versuche zu groß angelegten Aktionen auszugestalten. Aehnlich ist die Lage der jüdischen Strafentlassenen, der Erwerbsbeschränkten, der Wanderer. Sie alle stellen die Zahl jener Elemente dar, die die Warteräume der Arbeitsnachweise bevölkern, ohne daß diese in der Lage sind, ihnen in irgendeiner Weise dauernd und durchgreifend zu helfen. Wenn hier der Versuch einer sinnvollen Hilfeleistung gemacht werden soll — und daß dieser Versuch gemacht werden muß, steht außer Zweifel —, so kann dies nur durch Notstandsarbeiten und produktive Einrichtungen der Gemeinden geschehen. Es bedeutet für diese aus der Wirtschaft gestoßenen Menschen schon eine wesentliche Erleichterung ihrer Lage, wenn sie auch nur in vorübergehenden Perioden von zwei bis drei Monaten arbeiten können, wodurch ihre Arbeitskraft erhalten und ihr Selbstbewußtsein in einem gewissen Umfange gestärkt wird. Aus dem Empfang der Fürsorgeunterstützung ist eine Arbeitsleistung geworden. Es darf allerdings nicht dazu kommen, daß die produktiven Einrichtungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die insbesondere den oben erwähnten, in ihrer Vermittelungsfähigkeit beschränkten Kategorien zugute kommen sollen, sich zu wirtschaftlichen Unternehmungen entwickeln, die nach dem Gesichtspunkt der Rentabilität ihre Arbeitskräfte einstellen oder entlassen. 199

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