Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 9 (März 1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Gruppe 3: selbständige Arbeiten nach vollendetem 28. Lebensjahr 223.72 203.68 Gruppe 4: leitende Arbeiten bzw. selbständige verantwortliche Tätigkeit nach vollendetem 30. Lebensjahr 286.63 264.79 Die Gehälter sind für unverheiratete Angestellte ermittelt. Soziale Zulagen blieben unberücksichtigt, weil sie nur in einem Teil der Tarifverträge vorgesehen sind. Mit der Reichsindexziffer vom Dezember 1926 verglichen, ergibt sich folgender Realwert der Durchschnittsgehälter in männl. weibl. Reichsmark Gruppe 1: 77.93 70.49 Gruppe 2: 106.68 97.01 Gruppe 3: 155.04 142.54 Gruppe 4: 19S.63 183.50 Dabei soll die UnVollkommenheit der Indexziffer trotz der sogenannten Indexreform völlig außer Ansatz bleiben. Inzwischen hat die Indexziffer ein weiteres Steigen der Lebenshaltungskosten aufgewiesen. Für die technischen Angestellten ergibt sich ein ähnliches Bild. 1926 war für die Angestellten das Jahr des Gehaltabbaues. Das drückt sich auch in diesen Zahlen aus. Im Frühjahr 1927 sind die Tarifgehälter fast durchweg erhöht worden. Die Erhöhung machte einige Prozente aus, die bei den für den 31. Dezember 1926 festgestellten Durchschnittsgehältern keine grundlegende Aenderung herbeiführten. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß die Erhöhung der Tarifgehälter im Frühjahr 1927 teilweise den Abbau vom Jahre 1926 wieder ausgleichen mußte. Gewiß sind die angegebenen Zahlen Durchschnittssätze. Eine ganze Reihe von Tarifverträgen sieht bessere Gehälter vor. Ebenso werden auch Leistungszulagen gezahlt, so daß manche Angestellte tatsächlich ein höheres Einkommen beziehen. Dem stehen wieder Tarifverträge mit niedrigeren Gehältern und die Unterbietung der Tarifgehälter gegenüber. Die errechneten Durchschnittssätze dürften daher einigermaßen zutreffend die tatsächlichen Verhältnisse widerspiegeln. Diese Annahme wird gerechtfertigt durch eine Statistik des Instituts für Konjunkturforschung über das erste Vierteljahr 1927. Von den rund 2,65 Millionen versicherten Angestellten entfielen Monatseinkommen 19,8 v. H. auf die Gehaltsklasse bis 50*RM. 17.6 v. H. auf die Gehaltsklasse 50 ,. 100 „ 32.7 v. H. auf die Gehaltsklasse tOO ., 200 „ 17,5 v. IL auf die Gehaltsklasse 200 300 ,. 8,0 v. IL auf die Gehaltsklasse 300 „ 400 „ 3,9 v. H. auf die Gehaltsklasse 400 „ 500 ,. 0,5 v. H. freiwillig Höher versicherte. Den Ermittlungen des Instituts für Konjunkturforschung liegen die tatsächlichen Gehälter zugrunde. Es ergibt sich daraus, daß ein Drittel aller versicherten Angestellten im Monat nicht über 100 Reichsmark an Gehalt bezog, ein weiteres Drittel nicht über 200 Reichsmark im Monat. Diese wenigen Ziffern vermitteln einen nachhaltigen Einblick in die wirklichen Verhältnisse der deutschen Angestellten. Die angegebenen Gehälter stellen das Bruttoeinkommen dar. Davon werden noch abgezogen Lohnsteuer, Beitragsanieile für die Krankenversicherung, Angestelltenversicherung und Arbeitslosenversicherung. (Hans Ilorbat in „Materialblätter für Wirtschafts- und Sozialpolitik". November 1927.) Die Lage der landwirtschaftlichen Arbeit in Deutschland Die Parolen „Juden aufs Land" und „Zurück zur Scholle" verdienen eine ernste Würdigung und fundierte Untersuchung der gegenwärtigen Situation landwirtschaftlicher Arbeit und Siedlung. Wir veröffentlichen auszugsweise als weiteren Beitrag zur Diskussion die beachtliche Darstellung der Lage des landwirtschaftlichen deutschen Arbeiters des Königsberger Diplomlandwirts A. Wildermuth („Arbeit und Beruf" VI, 24): „Es muß immer und immer wieder gesagt werden: die deutsche Landwirtschaft, insbesondere der ostelbische Großgrundbesitz, wird mit einem Schlag vor einer scharfen Landarbeiterkrise stehen, sowie sich unsere Industrie einigermaßen erholt hat. Die öffentlichen Arbeitsnachweise in norddeutschen Agrarkreisen berichten sogar in der gegenwärtigen Zeit auf Grund aufmerksamer Beobachtung der ländlichen Arbeitsmarktlage von Uebersiedlungen von Landarbeitern in die Stadt, trotz der dort schwer zu be- 190