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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-03-01 · 9 (März 1928) · page 11

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
9 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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die in dieser Hinsieht zu gehen sind, liegt nicht im Rahmen meiner Aufgabe. Aber eines zu sagen, ist mir Pflicht und Bedürfnis: e>s müßte die vornehmste Sorge aller berufenen jüdischen Vereinigungen und Persönlichkeiten sein, eben denjenigen, denen man zur Arbeit verhilft, auch zugleich den Tag zu bringen und neu zu schenken, der die besten Kräfte des jüdischen Stammes durch die Jahrtausende in den einzelnen und in den Familien geweckt und erhalten hat. Nie wollen wir vergessen, daß dasselbe göttliche Gesetz, das der Welt den Sabbat gab, im gleichen Augenblick verkündet hat: „Sechs Tage sollst Du arbeiten." Ein jeder von uns kennt das ergreifende Wort des Propheten, das am Sabbat der Sabbate in den Gotteshäusern Israels verlesen wird: „Wenn du vom Sabbat fernhältst deinen Fuß, deine Arbeit nicht tust an meinem heiligen Tag, ... dann trage ich dich hoch empor über die Höhen der Erde, dann lasse «ich dich genießen das Erbe Jakobs." Der Sabbat ist nie und nimmer ein rechter Sabbat ohne die Arbeit der Woche. Aber die Arbeit schenkt nicht ihren letzten und höchsten Segen, bringt nicht Frieden und Weihe ohne die Ruhe des siebenten Tages. Erst, wer sie kennt. ..geniefit das Erbe Jakobs" und schöpft das Schönste und Tiefste aus, ,was das Gotteswort Israel gegeben hat. Arbeit und Sabbat im Bunde machen die Erde zu einem Garten Eden. * * * Eine Nebenfrage ist noch zu beantworten. Selbst wenn die Wohlfahrtspflege immer mehr im Geiste des Judentums systematisch ausgebaut sein wird, bleibt Raum genug auch für die persönliche Betätigung aller derer, die sich nicht unmittelbar mit ihr im großen Stile befassen, zumal bei der Unvollkommenheit aller menschlichen Einrichtungen wohl niemals restlos alle erreicht werden, die der Hilfe und Betreuung bedürfen. Dabei sehe ich ganz davon ab, daß heutigen Tages fast ausnahmslos jedem mannigfache Pflichten in dieser Hinsicht Freunden und Verwandten gegenüber obliegen, und daß sich Tag um Tag neue Möglichkeiten und Notwendigkeiten ergeben, um Gemiluth Chassodim, die Vollenderin und Ergänzerin der Z e d a k a h , nach den verschiedensten Richtungen hin auszustreuen. Hier nur einige ganz wenige Beispiele! Der übt nach talmudischer Ansicht stets Zedakah, der ein Waisenkind bei sich aufnimmt. Groß ist die Zahl der Kinder, die heute der rechten Erziehung und Pflege entraten. Was gibt es Schöneres, als bei ihnen Vater- und Mutterstelle zu vertreten! Sodann gilt es, die alte jüdische Gastfreundschaft von neuem in unseren Reihen heimisch zu machen, die sich in erster Linie dem Armen gegenüber bezeugt. Nach der Auffassung unserer Gesetzeslehrer findet auf den, der sich an festlichen Tagen mit Weib und Kind an den vollbesetzten Tisch setzt, aber dem Armen die Türe weist, der Schriftvers Anwendung: „Ihre Mahlzeit ist eine Mahlzeit der Trauer; alle, die sie essen, verunreinigen sich, denn sie gilt nur ihrer Gier: sie kommt nicht in das Haus Gottes.44 Maimonides aber versteht die Mahnung der Sprüche der Väter, daß die Armen die Kinder unseres Hauses sein sollen, dahin, daß wir den Armen in unser Haus aufnehmen und ihm 183

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