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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-03-01 · 9 (März 1928) · page 8

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
9 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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erbeten, den man nicht ohnehin kennt, so soll der Bitte nicht ohne vorherige Untersuchung entsprochen werden. Wo aber könnte eine solche Untersuchung besser stattfinden als dort, wo alle Fäden zusammenlaufen! Ich habe mit vollem Bedacht die Bestimmungen des jüdischen Gesetzes für sich sprechen lassen und sie nur hie und da mit einigen erläuternden Bemerkungen versehen. Wie viel besser stände es um unser Wohlfahrtswesen, wenn sie diejenige Beachtung fänden, die ihnen gebührt. Als das Ideal erscheint in ihnen allen die geordnete, von allen Nebenabsichten freie Wohlfahrtspflege. Allerdings wird dabei angenommen, daß an der Spitze des Wohltätigkeitswesens eine Persönlichkeit steht, die allgemeines Vertrauen geniefit. Ja, es wird verlangt, daß, wer sie leitet, ein „Chochom" sei, der seines hohen Amtes mit derselben Uneigennützigkeit und Sachkenntnis waltet, wie einst Rabbi Chananja, der Sohn des Tradjon. Die Erklärer sind verschiedener Meinung darüber, wie diese Forderung zu verstellen sei. Manche glauben, daß der leitende Mann keineswegs ein jüdischer Gelehrter sein müsse. Es genüge, wenn er auf dem in Betracht kommenden Gebiet diejenige Eignung besitze, die den genannten Tannaiten auszeichnete. Das Wort „Chochom" ist in dieser Auffassung weniger als Gelehrter denn als Fachmann zu verstehen. Andere, unter ihnen kein geringerer als der berühmte Rabbi David ben Simra, sind indessen der Meinung, daß an der Spitze des Armenwesens nur ein Gesetzeskundiger stehen dürfe. Dieser allein schaffe die Gewähr, daß die Wohlfahrtspflege ganz in dem hohen Sinn und in dein milden Geiste des Judentums geübt wird und nicht zu einem bloßen Bürokratismus und Formalismus erstarre. Ob man nun der einen oder der anderen Auffassung zuneigt, nie und nimmer darf es dahin kommen, wie es leider da und dort in manchen jüdischen Gemeinden gekommen ist, daß die Armenfürsorge gewissermaßen zu einer ideellen Altersversorgung besserer Stände wird für diejenigen, die sie ausüben. Keiner wird verkennen, wie viele hingebende und gesegnete Arbeit von erfolgreichen, organisatorisch begabten Kaufleuten, die zugleich ihr Herz am rechten Fleck haben, ehrenamtlich geleistet wurde und geleistet wird im Dienste der Armen. Aber niemand wird leugnen können, daß auch viele Unberufene und Ungeeignete nur dadurch die Führung übernehmen konnten, daß sie zu den Wohlhabenden gehörten. Und das wirkt sich oft um so schlimmer aus, als die Wohlfahrtspflege heute mehr denn je eine Choehmo, eine Wissenschaft, ja ein Beruf geworden ist, der gelernt und verstanden werden will wie jeder andere und mehr fast als jeder andere. Die schwere wirtschaftliche Krise, in der wir uns befinden, bringt vielleicht den Segen mit sich, daß sich in diesem Punkte ein Wandel vollzieht. Mit besonderem Danke darf gebucht werden, daß die Mitarbeit der Frauen in den jüdischen Wohltätigkeitsvereinen vieles gebessert hat. Für Männer und Frauen, die sich auf diesem Gebiet betätigen wollen, gilt aber vor allem, daß sie ein Lew, ein „Herz" mitbringen, 180

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