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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-02-01 · 8 (Februar 1928) · page 19

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
8 (Februar 1928)
Date
1928-02-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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den Beweis erbrachten, daß in den Reihen der jüdisch-sozialen Arbeiter eine große Anzahl das schwierige Problem der jüdischen Auswanderung und ihrer Organisation nach allen Richtungen hin beherrschen. Zwei Fragen waren es, die beiden Konferenzen das Gepräge gaben und auch immer wieder in den Debatten behandelt wurden. Zunächst die Frage der Lage der jüdischen Emigration, ihres Umfanges und der Intensität des Auswanderungsbedürfnisses. Dieses Thema wurde durch das groß angelegte Referat Jakob Leschinskys über die „Probleme und Nöte der jüdischen Wanderung" eingeleitet. Der Referent gab zunächst ein Bild der Entwicklung der jüdischen Wanderung in den letzten vierzig Jahren und unterstrich die Bedeutung, die die ungeheure Wanderbewegung für die Juden der ganzen Welt hatte. Bei der Behandlung der Gegenwart beschäftigte er sich sehr eingehend mit dem jüdischen Emigrationsbedürfnis, das gerade in den letzten Monaten, namentlich in Amerika und Westeuropa, von verschiedenen Seiten bestritten wird. Auf Grund seiner Darlegungen über die wirtschaftliche Entwicklung der neuen Staaten im Osten, die einen außerordentlichen Aufstieg des Ba uerntums und eine immer stärker werdende Verdrängung der Juden aus den verschiedenen Berufen bewirkte, gelangte er zu dem Ergebnis, daß eine weitere Stagnierung der Auswanderungsbewegung eine wirtschaftliche und kulturelle Degeneration der Juden im Osten zur Folge haben müsse. Seine Ausführungen gipfelten in der Forderung nach einer großzügigen Auswanderungspolitik, die allerdings im Gegensatz zur Vorkriegsauswanderung die Auswanderung produktiver Elemente viel stärker erfassen muß, da eine Einwanderung berufsloser oder unqualifizierter Elemente angesichts der in fast allen Einwanderungsstaaten bestehenden Einwanderungsbeschränkungen unmöglich geworden ist. Als eine Ergänzung dieses Referates kann man den einleitenden Vortrag ansehen, den der Direktor der Hias- Ica-Emigdirekt, Edward Oungre, in der Konferenz dieser Organisation wenige Tage später über die Richtlinien der jüdischen Emigrationsarbeit hielt. Während Leschinsky sich mehr mit den Verhältnissen in den Auswanderungsländern auseinandersetzte, gab Oungre eine sehr eingehende Darstellung der Lage in den Einwanderungsländern, namentlich in Südamerika und Kanada, wobei auch er zu dem Ergebnis gelangte, daß im Augenblick nur eine Auswanderung produktiver Elemente zu fördern sei, da andere in den noch offenstehenden Einwanderungsländern keinerlei Existenzmöglichkeiten haben. In der weiteren Folge behandelte Oungre die Frage der Organisation der Einwanderung, der Schaffung von Arbeits Vermittlungsstellen, Kredit- und Darlehenskassen sowie anderen Einrichtungen, die eine produktive Entwicklung der neuen Einwanderer erleichtern sollen. Die zweite Frage, die demnach erörtert werden mußte, war das Problem der Produktivierung der Auswanderer in ihren Heimatländern, die von E. Tscherikower mit einem Bericht über die bisher geleistete Arbeit auf dem Gebiete der Berufsausbildung der Emigranten eingeleitet wurde. Aus diesem Bericht und der Debatte ergab sich allgemeines Einverständnis darüber, daß die Versuche einer beruflichen Ausbildung und Vorbereitung der Auswanderer in ihren Heimatländern fortgesetzt werden sollen, und zwar soll diese Tätigkeit sich hauptsächlich auf die Vorbereitung für landwirtschaftliche Arbeit erstrecken, während für die industriellen Auswanderer lediglich Ergänzungskurse im Rahmen der beruflichen Bedürfnisse der Einwanderungsländer geschaffen werden sollen. Der Wunsch nach stärkerer Betonung der landwirtschaftlichen Vorbereitung wurde auch in dem Referat, das Professor B. Brutzk u s über Kolonisation und Emigration erstattete, unterstrichen, da der Referent davon ausging, daß die Bedürfnisse der dünn bevölkerten Ueberseeländer der Kolonisation landwirtschaftlicher Elemente weite Möglichkeiten biete. Aus dem Bericht, den Herr Edward Oungre im Rahmen seines Referates über die bisherige Tätigkeit der Vereinigung Hias-Ica-Emigdirekt erstattete, ist zu entnehmen, daß in den ersten neun Monaten der Existenz dieser Vereinigung sich bei den verschiedenen Büros 31 504 Auswanderer gemeldet hatten, 69 089 Besucher abgefertigt und 43 989 Auskünfte erteilt wurden. In 11 999 Fällen wurde Rechtshilfe erteilt. Durch Beschaffung verbilligter Schiffskarten wurden den Aus- 167

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