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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-02-01 · 8 (Februar 1928) · page 2

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
8 (Februar 1928)
Date
1928-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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bergen in Wahrheit als Volksgasthäuser bezeichnen kann. Wenn auch die Herbergen in der Nachkriegszeit schwer darunter zu leiden hatten, daß vielerlei sittlich Verkommene bei ihnen einkehrten, so ist doch in den letzten Jahren mehr und mehr festzustellen, daß wieder der wandernde Handwerker und der stellungsuchende Arbeiter zu ihren ständigen Gästen gehören. Da Arbeitslosigkeit und andere Erschütterungen des Volkslebens, politische Ereignisse und persönliche Nöte ständig Tausende von Männern auf die Landstraße treiben, so ist der Besuch der Herbergen wieder im Zunehmen; ihr Dienst ist daher unentbehrlich. Während die Polizeiasyle dem völlig Mittellosen nur während der Nacht Obdach gewähren, bieten die Herbergen dem Selbstzahler doch auch während des Tages eine bescheidene Heimat. In vielen Fällen sind die Herbergen mit einem Arbeitsnachweis verbunden, so daß der ernstlich arbeitsuchende Wanderer oft genug von da aus Stellung erhalten kann. Ja, es mag an dieser Stelle erwähnt werden, daß das gesamte, heute so großartig ausgebaute Arbeitsnachweiswesen neben den Innungsnachweisen seine Anfänge in den Herbergen zur Heimat hat. Dort vermittelte man zuerst den Fremden in Arbeit; bald hatten viele Hausväter den einzigen Arbeitsnachweis des Ortes, bis erst in allerneuster Zeit die öffentlichen Arbeitsnachweise an ihre Stelle getreten sind. Die gesamten Herbergen haben beherbergt: 1925: 1 495 308 Personen in 3 925 751 Schlafnächten; 1926: 1908 853 Personen in 4 179 952 Schlaf nächten. Die Herbergen sind in den Provinzen und Ländern zu Verbänden zusammengeschlossen, etwa so, daß eine Provinz 15 bis 30 Herbergen umfaßt mit 1000 bis 2000 Betten. Vor 1914 betrug die Zahl der Durchreisenden durchschnittlich 2,4 Millionen und die Anzahl der Herbergen 440, also 120 mehr als jetzt, so daß die Kriegsverluste noch nicht eingeholt sind. Allerdings sind inzwischen eine Anzahl anderer Heime aufgemacht worden, die ähnlichen Zwecken dienen. Vor 1914 wurden jährlich 150 000 Männer durch die Herbergen in Arbeit vermittelt; jetzt ist dieser Dienst mehr den öffentlichen Arbeitsnachweisen zugefallen. Die gesamten Herbergen zur Heimat sind seit 1883 zusammengefaßt im „Deutschen Herbergsverein", dessen Schöpfer der bekannte Pastor D. von Bodelschwingh in Bethel gewesen ist, und dessen Vorsitzender zur Zeit Generalsuperintendent D. Zoellner-Münster ist. Während die „Herbergen zur Heimat" die Aufgabe haben, den selbstzahlenden Gästen nur ein Unterkommen zu bieten, haben die ,.W anderarbeitsstätten" die weitere Aufgabe, den mittellosen Wanderern auf der Wanderschaft Arbeit anzubieten, damit sie in der Lage sind, ohne Bettel ihre Wanderschaft mit dem Ziel der Arbeitsuche fortzusetzen. Die Wanderarbeitsstätten sind also kleine Arbeitsplätze mit 10 bis 20 Mann, auf denen gewöhnlich Holzspalten oder Hausarbeit als Arbeitsgelegenheit vorhanden ist. Da die Wanderarbeitsstätten selbstverständlich auch Unterkunft und Verpflegung bieten müssen, so sind sie in den allermeisten Fällen an die Herbergen zur Heimat angeschlossen, mit Ausnahme von Württemberg, wo sie überwiegend 150

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