Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 8 (Februar 1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JODISCHE ARBEITS¬ UND WANDERFORSORGE 1. Jahrg. FEBRUAR 1928 Nr. 8 DIE CHRISTLICHE WANDERERFÜRSORGE (BEDEUTUNG, UMFANG, KOSTEN) VON P. BRAUNE, PASTOR, HOFFNUNGSTAL BEI BERNAU I. D. MARK Wenn die Gründung einer jüdischen Arbeiterkolonie nach allen Seiten hin geprüft werden muß, dann ist es auch nötig, einen Blick auf die vorhandene christliche Wandererfürsorge zu tun, im besonderen auf die christlichen Arbeiterkolonien, da sie nach jeder Seite hin das Problem der Arbeitsfürsorge für Wandernde praktisch erprobt haben. Die christliche Wandererfürsorge ist fast so alt wie das Christentum. In den vergangenen Jahrhunderten haben die Pilgerherbergen als Treffpunkte der Wanderer eine nicht unbedeutende Rolle gespielt; manche Klostergründung ist lediglich um der Wanderer willen geschehen. Die heutige Form der Wandererfürsorge ist jedoch viel jüngeren Datums. Die ersten Versuche gehen auf die Jahre 1854 bzw. 1883 zurück. Ihre Aufgabe besteht darin, daß sie dem arbeitslosen Wanderer Unterkunft, Verpflegung und Arbeit gewährt und ihn sobald wie möglich wieder zu geordneter Lebenshaltung zurückführt. Wir unterscheiden heute drei Formen der Wandererfürsorge: die Herbergen zur Heimat, die Wanderarbeitsstätten und die Arbeiterkolonien. Die erste Herberge zur Heimat ist 1854 in Bonn vom Rechtsgelehrten Professor Perthes gegründet worden. Heute bestehen 314 solcher Herbergen mit etwa 15 000 Betten. Die Herbergen zur Heimat haben den Zweck, die Wanderer in einfachen Betten billig zu beherbergen und sie durch eine christliche Hausordnung vor liederlichem Lebenswandel, im besonderen vor dem Trinken zu bewahren. Darum ist der Alkoholausschank in den meisten Herbergen völlig abgeschafft; Kartenspiel ist gleichfalls verboten. Der Hausvater sorgt in jeder Weise für den guten Ton des Hauses und hält auch die kurze Hausandacht. Die Wanderer sind untergebracht in Zimmern von 2—10 Betten, hin und wieder auch in größeren Sälen. Wir haben Herbergen mit nur 20 Betten, aber in den Großstädten auch solche mit 200 Betten und darüber. Der Tagespreis für die Uebernachtung beträgt 30—80 Pfennige. Im Gastraum werden billige Speisen verabreicht, so daß man die Her- 149