Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 7 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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erlernbare Beschäftigungsarten in Verbindung mit sportlichen Veranstaltungen wurden in Aussicht genommen. Anfang März 1927 wurde das erste jüdische Werkheim im Zusammenhang mit der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise und unter Führung eines in der Jugendarbeit erfahrenen Mitarbeiters und eines Buchbinder gesellen eröffnet. Die Mittel wurden gemeinsam vom preußischen Staat und vom jüdischen Wohlfahrtsamt aufgebracht. In den Arbeitsplan wurden neben der technischen buchbinderischen Arbeit allgemeine Fortbildung der Jugendlichen, sportliche Betätigung und gemeinsame Ausflüge, Besuche von Ausstellungen und Museen aufgenommen. Begonnen wurde mit einer Belegschaft von 10 Jugendlichen; insgesamt sind zirka 100 durch das Heim gegangen. Der größte Teil der Jungen ist fortlaufend in Lehrstellen untergebracht worden und steht noch jetzt in enger Fühlung mit dem Heim. Die fluktuierende Zahl der Jungen gestattete keine systematische Fortbildung; doch der Leiter verstand es dauernd, sie durch geeignete Diskussionen, besonders im Anschluß an Besichtigungen und Ausflüge, zu fördern. Die Jungen kommen um 9 Uhr ins Heim; am Vormittag werden die technischen Arbeiten ausgeführt unter weitestgehender Berücksichtigung persönlicher Wünsche. So stellen die Jungen Papparbeiten aller Art her, die im Heim selbst und im Bürobetrieb von Organisationen Verwendung finden konnten. Von 12 bis 3 Uhr ist Pause; die Jungen gehen zu Tisch nach Haus. Am Nachmittag geht die Arbeit weiter, wird um 4 Uhr durch eine Kakaomahlzeit, die das Heim verabreicht, unterbrochen; am Nachmittag sind nach Belieben der Jungen Spiele der verschiedensten Art gestattet. Um 6 Uhr verlassen sie das Heim. Die fachliche Ausbildung machte gute Fortschritte; Büchereinbände, die für interessierte Privatpersonen und Organisationen hergestellt wurden, Ordner, Schilder usw. zeigten die Leistungen der einzelnen. Im September blieb das Heim geschlossen, da die Mehrzahl der Jungen anderweitig untergebracht war. Am 1. Oktober wurde die Arbeit wieder neu aufgenommen. Die Jungen werden zur Zeit auch mit anderen Arbeiten beschäftigt, z.B. mit der Inneneinrichtung eines Kinderhortes und Jugendheims. Die Besuchsziffer beläuft sich z. Zt. auf zirka 12—15 Jugendliche. Obwohl die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist (kaufmännische Lehrstellen sind reichlich vorhanden), wird stets ein Stamm vorhanden sein, der sich zusammensetzt aus den Jungen, die ein Handwerk wählen, das gerade überbesetzt ist, und aus denen, die infolge körperlicher oder geistiger Defekte überhaupt schwer unterzubringen sind. — Dieser Tatbestand macht das Weiterbestehen des Werkheims dringend notwendig, es soll den Zwecken der Jugendpflege und Jugendfürsorge erhalten bleiben. Das beste Zeichen für die Bewährung der Werkheimidee ist darin zu sehen, daß auch jene Jugendlichen, die bereits in Lehrstellen untergebracht sind, ihre Freizeit im Heim weiterhin verbringen. Auch 137