Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 7 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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sprechend setzen sich die Arbeitskräfte dieser Nähstube aus allen Berufsschichten zusammen, z.B.: Aeltere unqualifizierte kaufmännische Kräfte, die infolge vorgerückten Alters in ihrem Berufe keine Vermittlungsmöglichkeit haben, Frauen, die seit vielen Jahren nicht mehr oder noch nie berufstätig waren und plötzlich vor die Notwendigkeit gestellt sind, ihre Familien zu erhalten, junge Mütter, die ihre Kinder stillen, oder kleine Kinder zu versorgen haben und infolgedessen eine reguläre Arbeitszeit in einem Industriebetrieb nicht innehalten können und dergl. irgendwie behinderte, aber voll erwerbsfähige Personen. Die Anlernung geschieht in der Weise, daß für völlig Ungeübte mit einfachen Ausbesserarbeiten begonnen (das Material hierfür liefert die Peah) und später zur Industriearbeit, zur Anfertigung von Kinder- und Damenkonfektion, übergegangen wird. Sind die Frauen sehr geschickt und kräftig, so werden sie auch für Spezi almaschinen (Hohlsaum- und Knopflochnäherei) angelernt. Die Entlohnung der Frauen wird nach Stunden berechnet, nach dem Mindest-Tarif für einfache Näharbeiten. Von einer Stückloh nbezahlung hat man wegen der Ungleichheit der Arbeitskräfte und der Arbeit sowie der sich daraus ergebenden Differenzen abgesehen. Die Frauen arbeiten in der Woche 40 Stunden, d. h. an 5 Arbeitstagen je acht Stunden. Bisher wurden insgesamt 60 Frauen in die Arbeitsstube aufgenommen, 10 sind z. Zt. dort noch tätig, die übrigen 50 sind nach der Ausbildung wieder in Arbeit vermittelt worden. JÜDISCHES WERKHEIM VON HANNA SCHALL Die außerordentlich starke Arbeitslosigkeit des Winters 1926y27 stellte das Wohlfahrts- und Jugendamt vor besonders schwierige und neuartige Probleme. Während in den vorhergehenden Perioden starker Arbeitslosigkeit von einer besonders merklichen jugendlichen Erwerbslosigkeit nicht die Rede sein konnte, war diese neue Welle insbesondere charakteristisch durch die Unmöglichkeit, jugendliche in geeignete Lehrstellen oder in vorübergehende Arbeit unterzubringen. Es handelte sich dabei keineswegs um eine spezifisch jüdische Frage. Die Stadt Berlin sah sich vor die Aufgabe gestellt, einige Tausend Jugendliche, wollte sie einer drohenden Verwahrlosung vorbeugen, jugendpflegeriseh zu betreuen. Sie errichtete in den meisten Wohlfahrtsbezirken Tageswerkheime zur Beschäftigung und Betreuung Jugendlicher. Wenn auch die Zahl der jüdischen jugendlichen Erwerbslosen keineswegs an die städtische Ziffer heranreichte, so wurden doch immerhin an hundert jugendliche Erwerbslose gezählt. So entstand der Plan, ein jüdisches Werkheim für Jugendliche zu gründen. Leicht 136