Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 7 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Im ersten Lehrjahr erstreckt sich der Unterricht auf Hosennäherei und Ausbesserarbeiten, im zweiten Lehrjahr werden Westen geabeitet, im dritten Jahr Jaketts und Mäntel. Es wird großer Wert darauf gelegt, daß die Lehrlinge nur gute Materialien wie in einer Privatlehre verarbeiten. Die Unkosten der Lehrwerkstatt, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, die Lehrlinge zur Leistung vollwertiger Qualitätsarbeit zu erziehen und daher auf nennenswerte Einnahmen nicht rechnen kann, sind recht erheblich; sie belaufen sich auf monatlich zirka 1200 Mark, denen 200 Mark Einnahmen gegenüberstehen. Nach anfänglichen mannigfachen Schwierigkeiten (im besonderen der Beschaffung eines geeigneten Meisters) kann heute festgestellt werden, daß der erste Versuch der Ausbildung von Lehrlingen in eigenen Werkstätten als durchaus geglückt bezeichnet werden darf. II. NÄHSTUBE — NOTSTANDS MASSNAH ME ZUR BESCHÄFTIGUNG ERWERBSLOSER FRAUEN Jeder Arbeitsnachweis wird von Personen aufgesucht, die arbeitswillig und arbeitsfähig sind, jedoch aus den verschiedensten Gründen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht ohne weiteres untergebracht werden können. So sind im Jüdischen Arbeitsnachweis eine Anzahl Bewerberinnen vorgemerkt, die durch Erwerbslosigkeit ausschließlich auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen sind, da für sie keine Form der allgemeinen Fürsorge in Frage kommt. Um die Dauerunterstützungen mit ihrer für die Empfänger demoralisierenden Wirkung nach Möglichkeit einzuschränken, hat sich das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde auf Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise vor knapp zwei Jahren entschlossen, auch für Frauen, insbesondere für solche, die Ernährer ihrer Familien sind, produktive Notstandsmaßnahmen in die Wege zu leiten. Da die Näherei mit ihren verschiedenartigen Möglichkeiten immer noch am geeignetsten ist, um Personen, die oft ohne jede Ausbildung und Arbeitsgewöhnung sind, zu beschäftigen, so wurde eine Nähstube eingerichtet, in der gleichzeitig 10—15 Frauen unter einer fachkundigen Leiterin arbeiten. Entscheidend für die Aufnahme in diese Nähstube ist das Moment der Arbeitsfähigkeit. Es ist wichtig, dies zu betonen, denn die Nähstube soll keine Dauerarbeitsstätte für einen bestimmten Personenkreis sein, was sie durch Beschäftigung von Erwerbsbeschränkten sehr schnell werden würde, sondern sie soll der Einarbeitung und Anlernung ungelernter Kräfte dienen, soll eine Umschulungsmöglichkeit für Frauen sein, die aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen ihren Beruf wechseln müssen. Dement- 135