Mannheim
Compact Memory

Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-01-01 · 7 (Januar 1928) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
7 (Januar 1928)
Date
1928-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2709108-2709109-2709115--144-2709323
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

entwöhnen, und um ihnen den direkten Bezug von Wohlfahrtsunterstützungen zu ersparen. Das Ziel aber mußte sein, diese Menschen unter allen Umständen so bald wie irgend angängig dem geordneten Wirtschaftsprozeß wieder einzureihen. Aus diesem Grunde war der engste Zusammenhang mit der Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise notwendig, der auch die unmittelbare Kontrolle über Einstellung und Beschäftigung aller Arbeiter der Brockensammlung obliegt. Als Durchschnitts-ßeschäftigungszeit war an etwa drei Monate gedacht, obwohl sich diese Zeit als Norm nicht immer hat durchführen lassen. Die Grundlage der Brockensammlung bildet die Kleiderkammer. Der riesige Bedarf des Wohlfahrtsamtes an Bekleidungsgegenständen alter oder neuer Art wird durch diese Einrichtung befriedigt. Die Aufarbeitung der eingesammelten Bekleidungsgegenstände gab die Möglichkeit, eine Schneiderei und eine Schusterei zu errichten. Neu herzustellende Sachen konnten der Schneiderlehrwerkstätte übertragen werden, so daß sich auch hier ein geschlossener Betrieb ergab. Des weiteren wurde bald eine Tischlerei angegliedert, die Möbelstücke aufarbeitete, aber auch selbständige Arbeiten bei jüdischen Organisationen und Wohlfahrtsstellen ausführte. Schließlich wurde noch eine Tapezierwerkstätte eröffnet. Den größten Anforderungen sah sich die Brockensammlung im Winter 1926/27 gegenüber, als die Berliner Gemeinde eine jüdische Arbeitslosigkeit von mehr als 3000 Personen zu zählen hatte. Diese Zahl hat sich natürlich mit dem allgemeinen Rückgang der Arbeitslosigkeit ebenfalls stark vermindert. Während im vergangenen Winter die Kleiderkammer noch mehr als 100 Personen ständig beschäftigte, ist heute die Beschäftigungsziffer auf zirka 30 Personen gesunken. Schneider, Tischler, Tapezierer und Handwerker anderer Art finden noch heute vorübergehende Beschäftigung. Die Kostenfrage dieser Institution muß unter dem entscheidenden Gesichtspunkt bewertet werden, daß die Ausgaben für die produktive Beschäftigung der Erwerbslosen in anderer Form unter allen Umständen vom Wohlfahrtsetat sowieso getragen werden müßten. Es entsteht sogar die Frage, ob nicht diese Ausnutzung der Erwerbslosen-Arbeitskraft dem Wohlfahrtsamt der Gemeinde gewisse Ersparnisse insofern gebracht hat, als die hergestellten Kleidungs¬ und Wirtschaftsgegenstände von dem Wohlfahrtsamt in gleichem Umfang hätten anderwärts beschafft werden müssen. Diese Gesichtspunkte in Betracht gezogen, wird man zu dem Ergebnis kommen, daß die Ausgaben dieser Einrichtung sinnvoll verwendet worden sind. Die nachfolgende Uebersicht gibt einige Aufschlüsse über die Art, den Umfang und die Kosten des Betriebes: Entlohnung: Es werden Stundenlöhne gezahlt, die sich je nach der Qualifikation zwischen 0,76 und 0,85 M. bewegen. Der technische Werkstattleiter erhält einen Stundenlohn von 1 M. Achtstündige Beschäftigungszeit. 132

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.