Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 7 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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BROCKENSAMMLUNG (PEAH) VON DR. MAX KREUTZBERGER Die Vermittlungstätigkeit des Arbeitsnachweises ist, da der Arbeitsnachweis in erster Reihe Instrument des Wirtschaftslebens ist, von den Gegebenheiten und Schwankungen der Arbeitmarktlage abhängig. Der Arbeitsnachweis wird demgemäß in Zeiten günstiger Konjunktur gute Vermittlungsergebnisse erzielen, und er wird in Krisenperioden mit einer Zahl von Menschen rechnen müssen, deren Einordnung in das Wirtschaftsleben nicht möglich ist. Doppelt schwer aber lastet auf ihm das Problem jener Menschen, die schon bei guter Wirtschaftslage schwer unterzubringen sind, d. h. all derjenigen, die in irgendeiner Form erwerbsbeschränkt, erwerbsbehindert sind, oder deren mangelhafte Fachausbildung ihnen nicht gestattet, voll konkurrenzfähig zu sein. Diese Personen sind dann für längere oder kürzere Zeit auf das Existenzminimum angewiesen, das ihnen die Erwerbslosenversicherung oder das Wohlfahrtsamt gewährt. Die Idee, diese Unterstützungen produktiv zu gestalten, ist nicht neu. Die Schwierigkeiten, in welcher Form aber sich diese Produktivierung der Fürsorgemaßnahmen durchführen läßt, sind Gegenstand immer erneuter Untersuchungen und Versuche. Die entscheidende Schwierigkeit ist darin zu suchen, daß die Produktivierung der Fürsorgemaßnahmen kein Konkurrenzunternehmen der freien Wirtschaft werden darf. Der gegebene Ausweg für das Wohlfahrtsamt bestand also zu allen Zeiten darin, die Fülle der Wirtschaftsgegenstände, die es an Notleidende auszugeben verpflichtet ist, in eigener Regie durch jene Personen herstellen zu lassen, deren Unterstützung ihm auch unabhängig von irgendeiner Arbeitsleistung obliegen würde. Es handelt sich also in erster Linie um Bekleidungsgegenstände aller Art, Möbel und ähnliche Bedarfsartikel des täglichen Lebens. Dem Prozeß der Umarbeitung und Aufarbeitung der benötigten Gegenstände geht die Sammlung nicht mehr gebrauchter oder aus anderen Gründen auszuscheidender Wirtschaftsartikel in weitesten Bevölkerungsschichten voraus. Schon dieses Abholen und Aussortieren der Gegenstände gibt einer ganzen Anzahl von ungelernten Erwerbslosen Beschäftigungsmöglichkeit. Daß das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde vor zwei Jahren in erweitertem Maßstabe an die Errichtung einer Brockensammlung mit anschließenden Verarbeitungs-Werkstätten denken mußte, zeigt die veränderte Situation auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege. Während vor dem Kriege derartige Institutionen sich in den Händen von privaten Organisationen befanden, mußte jetzt den ungeheuer gesteigerten Anforderungen gemäß das neu und umfassend organisierte Wohlfahrtsamt selbst an den Ausbau eines derartigen Betriebes denken. Es war für alle Beteiligten klar, daß diese Einrichtung zu keiner Dauereinrichtung werden dürfe. Es sollte sich eben nur darum handeln, vorübergehend Beschäftigungslosen Arbeit zu geben, um sie einmal geregelter Tätigkeit nicht zu 131