Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 7 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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ständnisvoll mit seinem jüdischen und menschlichen Herzen die folgenden Blätter liest, wird auch diejenige Stelle in unserer Organisation finden, die noch offen ist — die auf ihn gerade wartet. Irgendwo ist jeder, aber auch jeder imstande, mitzuarbeiten, das Seinige zu tun und das große Ganze zu ergänzen. Dieses Sonderheft stellt in seiner Geschlossenheit einen kleinen Ausschnitt aus dem Aufgabengebiet der Sozialfürsorge unserer Gemeinde dar. Wir hoffen, es wird recht vielen zu der Erkenntnis verhelfen, daß unser Wohlfahrts- und Jugendamt kein schematischer Unterstützungsverein mehr — aber auch keine schematischbürokratische Behörde ist, sondern eine Angelegenheit „gegenseitiger Hilfe", der Hilfe von Mensch zu Mensch. Und so werden die Schilderungen meiner Mitarbeiter von den Leistungen und den Grenzen der Leistungskraft des Wohlfahrts- und Jugendamts gerade in ihrer unpathetischen Sachlichkeit erkennen lassen, daß hier keine Beamten im Sinne schematischer Bürokraten, sondern Menschen mit warm empfindenden Herzen arbeiten. Dafür sei ihnen an dieser Stelle Dank. DER JUDISCHE ARBEITSNACHWEIS VON S. ADLER-RUDEL Die Erkenntnis, daß die Beschaffung von Arbeit für mittellose und hilfsbedürftige Menschen, die arbeitsfähig sind, die beste und wirksamste Hilfeleistung ist, ist in der jüdischen Wohlfahrtspflege nicht neu. Die Anfänge der organisierten Arbeitsbeschaffung für jüdische Arbeitslose in Deutschland liegen bereits drei Jahrzehnte zurück. Im Jahre 1895 begründeten die Berliner Bne Brith-Logen den „Verein für Arbeitsnachweis" in Berlin, der zu Beginn des Jahres 1896 seine Tätigkeit aufnahm. Neben dem Verein für Arbeitsnachweis entstand mit Kriegsende das Jüdische Arbeitsamt, das sich ebenfalls der Arbeitsvermittlung widmete. Die wirtschaftliche Entwicklung der Nachkriegszeit, die Verarmung des jüdischen Mittelstandes und das Anwachsen der Zahl der jüdischen Arbeitnehmer drängten zu einer Vereinheitlichung der jüdischen Arbeitsvermittlung. Diese erfolgte im Jahre 1923 und führte zur Schaffung der „Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise", die heute der einzige bedeutende jüdische Arbeitsnachweis Berlins i$t. Hier laufen zentral sämtliche Meldungen der Arbeitsuchenden zusammen, von hier aus erfolgt die Bearbeitung der Arbeitgeber und die Unterbringung der Arbeitsuchenden in freie Stellen. Der jüdische Arbeitsnachweis, der wie alle anderen Arbeitsnachweise seine Entstehung caritativen Momenten verdankt, hat die Entwicklung, die das Arbeitsnachweiswesen, namentlich in den letzten Jahren, nahm, ebenfalls mitgemacht. Aus einer fast nur caritativ eingestellten Einrichtung ist er im Laufe der Zeit zu einer wirtschaftlichen Institution geworden, die ihre Tätig- 126