Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 7 (Januar 1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE ARBEITS¬ UND WANDERFORSORGE 1. Jahrg. JANUAR 1928 Nr. 7 PRODUKTIVE JÜDISCHE FÜRSORGE IN BERLIN ZUR EINFÜHRUNG VON EUGEN CASPARY Für die weitere Oeffentlichkeit könnte es scheinen, als sei die sogenannte produktive Fürsorge eine Zeitströmung in der allgemeinen Sozialpolitik, die von der jüdischen Sozialfürsorge nun selbstverständlich mitgemacht werde. Denn in den letzten Jahren, seitdem im ganzen Deutschen Reich das Problem der Erwerbslosenfürsorge brennend geworden ist, liest man in den Zeitungen häufig Vorschläge, häufig kritische Stellungnahmen zum Thema „Produktive Fürsorge" und liest gleichzeitig in den Blättern der jüdischen Oeffentlichkeit hier und da verstreut Notizen, Aufsätze, Berichte zum Thema „Jüdische produktive Fürsorge". Für diese weitere Oeffentlichkeit, die jüdische wie die nichtjüdische, ist das vorliegende Sonderheft unserer Zeitschrift vor allem bestimmt. Aus den bisher vorliegenden zerstreuten Veröffentlichungen konnte man kein Bild gewinnen, man konnte nicht ahnen, daß es sich um mehr als Aufsätze, Anregungen, Versuche und neumodische Bezeichnungen handelt — nicht ahnen, daß die jüdische produktive Fürsorge ein planmäßig aufgebautes, wohl durchgegliedertes, organisches Ganzes ist. Dieses Bild vor den Augen des Lesers erstehen zu lassen, ist der Zweck der folgenden Darstellungen. Hier geben die Mitarbeiter des Wohlfahrts- und Jugendamts der Berliner Gemeinde die fehlenden Zusammenhänge, zeigen die verschiedenen Aufgabengebiete der jüdischen Sozialfürsorge in ihrer gegenseitigen Beziehung und ihrer gemeinsamen Abhängigkeit von dem Grundgedanken der produktiven Fürsorge. Meine Mitarbeiter berichten sachlich und nüchtern. Sie schmücken nicht. Aus der Quelle ihrer ständigen Beobachtungen und dem Schatz ihrer Erfahrungen breiten sie vor der Oeffentlichkeit aus, was die Oeffentlichkeit wissen soll — und was ihr nicht verschwiegen werden darf. Denn sie haben als Gemeindeeinrichtung ein dringendes Interesse daran, die Oeffentlichkeit genau über unsere Leistungen und die gegenwärtigen Grenzen unserer Leistungskraft zu orientieren. Wer nämlich aufmerksam und ver- 125