Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 6 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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lien erhalten gemäß der Arbeitsfähigkeit ihrer Mitglieder entsprechende Entlohnung, müssen sieh auf eigene Rechnung verpflegen, erhalten allerdings auch den größten Teil der Lebensmittel vom Arbeitgeber geliefert. Im Verlauf der letzten Monate hat das jüdische Emigranten-Sehutzkomite in Paris (angeschlossen der Vereinigung Hias-Ica-Emigdirect) ungefähr hundert landwirtschaftliche Arbeiter, darunter einige Familien, in Arbeit gebracht. Diese Aktion, die zunächst als Experiment angesehen wurde, hat den Beweis erbracht, daß auch jüdisdie Arbeiter, sofern die notwendigen Voraussetzungen bei ihnen vorhanden sind, sich in der Landwirtschaft in Frankreich bewähren können. Selbst jene Arbeiter, die früher nicht in der Landwirtschaft beschäftigt waren, haben sich, sofern sie körperlich kräftig genug waren, sehr bald an die Arbeit gewöhnt. Allerdings kamen auch Fälle vor, daß Arbeiter ihre Arbeitsstelle verließen, sei es, daß sie nicht kräftig genug waren, oder daß ihnen das Leben im Dorfe nicht zusagte. Es gab auch Falle, wo Arbeiter ihre Stelle verlassen mußten, weil das Essen schlecht oder ungenügend war. Im Rahmen dieser Aktion hat das jüdische Emigranten-Sehutzkomite sich liauptsädilich für jene Arbeiter interessiert, die infolge der wirtschaftlichen Krise, von der gerade die ausländischen Arbeiter in Frankreich am schwersten betroffen wurden, arbeitslos waren. Das Komite hat es sich nicht zur Aufgabe gestellt, für die Landwirtschaft geeignete jüdische Elemente nach Frankreich einzuführen. Es ist aber klar, daß dies möglich ist, sofern die Personen die Voraussetzungen der Landwirtschaft erfüllen und sofern sie bereit sind, die sehr schwere Anfangszeit durchzuhalten, um später in irgendeiner Form selbständig zu werden. Selbstverständlich wird von den Einwanderern, die bis jetzt in der Landwirtschaft untergebracht wurden, ein großer Teil von der Lohnarbeit zu „Pächtern auf Hälfte'* oder selbständigen Besitzern übergehen. Diese Entwicklung ist auch bei anderen Ausländern wie Italienern, russischen Flüchtlingen usw. festzustellen. Im Nachfolgenden sollen Auszüge aus einigen Briefen wiedergegeben werden, die dem Komite von einigen Arbeitern, die in Arbeit gebracht wurden, zugegangen sind. B. W. schreibt: „Ich kann Ihnen mitteilen, daß ich mich bereits seit einer Woche auf der Arbeitsstelle befinde, die Sie mir zugewiesen haben. Ich bin mit meiner x\rbeit sehr zufrieden und, wie ich glaube, mein Arbeitgeber mit mir noch mehr. Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen um meine Unterbringung." Ein anderer Arbeiter M. M., der dreimal seine Arbeitsstelle wechseln mußte, schreibt: „Meine erste Steile mußte ich verlassen. Hierauf wurde mir vom Arbeitsbüro eine zweite zugewiesen, die ich aber auch sehr bald verlassen mußte, da das Essen ungenügend war. Ich ging darauf wieder zum Arbeitsbüro, das mir eine neue Stelle zuwies, die ich gleich antreten konnte. Obwohl die Arbeit schwer ist, bin idi hier sehr zufrieden.*' Ein anderer Arbeiter A. K. mußte infolge eines Mißverständnisses des Arbeitsbüros seine Stelle wediseln. Er sdireibt : „Ich kann Ihnen mitteilen, daß die Stelle, die Sie mir nachgewiesen haben, nicht sdilecht ist. Die Arbeit ist zwar schwer, aber ich bin zufrieden, denn die Behandlung, das Essen und das Schlafen sind gut. Die anderen zwTei Arbeiter sdilafen im Stall, idi hingegen erhielt ein Zimmer in der Wohnung des Bauern. Ich werde in der Arbeit unterwiesen und sehr menschlich behandelt. Auch die Sprachschwierigkeiten überwinde ich allmählich. Ich glaubte, daß ich hier bleiben werde, erhielt aber vom Arbeitsbüro die Mitteilung, daß ich mich bei einem anderen Bauer im selben Dorfe vorstellen soll." Derselbe Arbeiter schreibt später: „Ich erhielt Ihren Brief und kann Ihnen mitteilen, daß ich bei meinem neuen Arbeitgeber war und den Kontrakt unterschrieben habe. Die Bedingungen sind sehr gute, und man ist mit mir zufrieden. Da die Arbeit leichter ist als auf der früheren Stelle, gefällt es mir hier gut." Ein anderer Arbeiter, ehemaliger Student Sch. G., schreibt: „Die Arbeit ist sehr schwer und währt den ganzen Tag ohne Pause, aber wir werden durchhalten. Wenig angenehm sind die Lebensbedingungen. 115