Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 5 (November 1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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RUNDSCHAU TAGUNG DES REICHSVORSTAN¬ DES DER HAUPTSTELLE FÜR JÜDISCHE WANDERFÜRSORGE Im Sinne der Beschlüsse der Generalversammlung der Hauptstelle vom Mai d. J. wurde zum 18. 9. 1927 die erste Sitzung des Hauptvorstandes nach Leipzig einberufen. Der Einladung hatten fast alle Landes- und Provinzialkassen durch Entsendung ihrer Vorstandsmitglieder Folge geleistet. Nach Eröffnung der Sitzung durch Eugen Caspary, Berlin, und Begrüßungsworten des Vorstandes der Gemeinde Leipzig, für die in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden, Herrn Goldschmidt, Herr Gottlieb erschienen war, wurde in die Tagesordnung eingetreten. Zu Punkt 1 der Tagesordnung: „Fortsetzung der Aussprache über das Projekt zur Errichtung einer Arbeiterk o1o n i e unter Heranziehung des im Tagungsbelichtes der Hauptstelle gedruckt vorhandenen Materials" erstattete Dr. Max K r e u t z b e r g e r das einleitende Referat, das sich hauptsächlich mit den praktischen Möglichkeiten und den praktischen Fragen der zu errichtenden Kolonie beschäftigte. Im Anschluß an das Referat fand eine sehr eingehende Aussprache statt, in der ein Teil der Redner die Errichtung einer gewerblichen Arbeitsstätte bezw. kleinerer Arbeitsstätten für zweckmäßiger hielt. Im weiteren Verlauf der Debatte erfolgte jedoch auf Antrag D r. Strauß, München, einstimmige Annahme der nachfolgenden Resolution: I. Der Hauptvorstand beauftragt den engeren Vorstand, das Projekt der Schaffung einer landwirtschaftlichen Arbeitsstätte zur produktiven Beschäftigung jüdischer Durchwanderer der Verwirklichung zuzuführen. Zu diesem Zweck soll im Zusammenwirken mit geeigneten Sachverständigen ein konkreter Vorschlag ausgearbeitet und der nächsten Sitzung des Hauptvorstandes zur Beratung und Beschlußfassung unterbreitet werden. Es soll ferner die Aufbringung der Mittel zur finanziellen Durchführung des Projektes im Wege der freiwilligen Beiträge von einzelnen, den Gemeinden, Landesverbänden und Wohlfahrtsorganisationen sowie durch Aufnahme von Krediten sofort in die Wege geleitet werden. Die Mitglieder des Hauptvorstandes werden in ihren Gemeinden und Verbänden sich nachdrücklichst für die Förderung des Werkes einsetzen. II. Der Hauptvorstand ersucht den engeren Vorstand, die Frage der Produktivierung der Durchwanderer in dezentralisierten Arbeitsstätten einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Die Erfahrungen, die in verschiedenen Gemeinden gemacht wurden, zu sammeln, auf Grund derselben Richtlinien für die Schaffung, den Betrieb und die Finanzierung solcher Einrichtungen für örtlich oder provinzial begrenzte Gebiete aufzustellen, und für deren Verwirklichung durch die Zeitschrift der Hauptstelle sowie die sonstige jüdische Presse durch aufklärende Vorträge einzutreten. Zu den Punkten 2 und 3 „Nachtrag zum Etat für das Jahr 1 9 2 7 und Etatsberatung für das Jahr 192 8" referierte der Geschäftsführer Adler-Rudel. Auf Grund der der Sitzung vorgelegten Finanzübersicht für das Jahr 1927, aus der zu ersehen war, daß sich ein Defizit von ungefähr 8 000,— Mk. für das laufende Geschäftsjahr ergab, wurde einstimmig beschlossen, die Landesverbände und Provinzialkassen um Bewilligung eines Nachtrages von 20% ihrer Beiträge für das Geschäftsjahr 1927 zu ersuchen. Für das Jahr 1928 wurde der Etat in Höhe von 52 000,— Mk. einstimmig genehmigt. 101