Mannheim
Compact Memory

Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-11-01 · 5 (November 1927) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
5 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2709108-2709109-2709113--104-2709281
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Es ist durchaus möglich, — und unsere Erfahrungen in Köln haben das ja bewiesen — daß diese Arbeitsstätten Erfolg haben können. Wir hatten vor dem Kriege in Köln eine solche Arbeitsstätte (Holzzerkleinerungsstätte), wo jedem arbeitsfähigen und arbeitskräftigen Menschen Gelegenheit geboten war, sich durch einige Stunden nicht übermäßig schwieriger und anstrengender Arbeit etwas zu verdienen. Ein Teil der zu uns kommenden Wanderer nahm diese Gelegenheit gerne wahr, ein anderer aber lehnte die Arbeit aus der oben erwähnten Einstellung heraus ab, und mancher machte einen großen Bogen um Köln herum. Dieses Herumgehen, das uns der Unterstützung dieser Elemente enthebt, bedeutet auch einen, wenn auch nur negativen Erfolg. Daher halte ich die Errichtung von Arbeitsstätten für eine unbedingte Notwendigkeit. An denjenigen Plätzen, wo bereits kommunale oder ähnliche Arbeitsgelegenheit besteht, könnte auf die Errichtung einer eigenen Arbeitsstätte verzichtet und ein Anschluß an die bestehenden vollzogen werden, womit der gleiche Zweck erfüllt wäre. Aber noch andere Mängel weist die Organisation auf. Unsere Geldmittel reichen für zweckmäßige Durchführung unserer Maßnahmen nicht aus. Es ist eben einmal so, daß zur Durchführung einer vernünftigen Idee gewisse finanzielle Mittel gehören. Die Gemeinden müssen der Zentrale Gelder zur Verfügung stellen, damit diese ihre Aufgaben erfüllen kann. Man kann sagen, daß ein Teil der Gemeinden — es sind zumeist Großgemeinden — ihre Aufgabe kennen und einen Teil der Steuergelder für soziale Zwecke verwenden. Die Sorge für Bedürftige aller Art gehört mit zu den ersten Aufgaben der Verwaltung einer Gemeinde, und die Verwendung eines Teils der einkommenden Kultussteuern für solche Zwecke findet Billigung in allen jüdischen Kreisen, auch in solchen, die im allgemeinen dem Judentum und seinen Einrichtungen nicht besonders nahe stehen. Die jüdischen Gemeindesteuern würden von allen Kreisen mit mehr Liebe entrichtet werden, wenn sie wüßten, daß ihr Geld mit dazu beitrüge, die Not bedürftiger Glaubensgenossen zu lindern und sozialethisch zu wirken. Man kann den meisten größeren Gemeinden die Anerkennung nicht versagen, daß sie nach dieser Richtung große Anstrengungen machen. So sind z. B. in der Synagogengemeinde Köln stets ca. 1/s der Ausgaben für soziale Zwecke bestimmt. Es sollte keine jüdische Gemeinde in Deutschland geben, die nicht von Gemeindewegen soziale Fürsorge ausübt und einen entsprechenden Betrag hierfür in ihren Etat einsetzt. Bei allen Versammlungen habe ich immer wieder den Gemeindevertretern die Notwendigkeit und Wichtigkeit dieser Maßnahme vor Augen geführt. Uebrigens liegt die Möglichkeit vor. daß die für Wanderfürsorge ausgegebenen Gelder teilweise von gesetzlich verpflichteten Faktoren — Bezirks- und Landesfürsorgeverband — ersetzt werden können, was auch einzelne größere Gemeinden erreicht haben dürften. Wenn diese oder jene Gemeinde in ihren Bemühungen erfolglos war, so lag das wohl daran, daß man von jenen gesetzlich verpflichteten Faktoren für die jüdischen Wanderer mehr verlangt hat, als sie für nichtjüdische auszugeben pflegen. Die Städte und die Provinzen haben ein Interesse daran, daß die 94

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.