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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-11-01 · 5 (November 1927) · page 5

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
5 (November 1927)
Date
1927-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Konferenz (als Delegierter der Großloge für Deutschland) dem deutschen Reichskommissar Dr. Richard Freund — einem Juden — die Lage der jüdischen Arbeitsfähigen und Arbeitswilligen Deutschlands vorstellte, denen man um ihres Judentums willen das allgemein proklamierte Recht auf Arbeit nicht gewähren wolle, da antwortete dieser jüdische Führer der deutschen Sozialpolitik: „Helft Euch selbst!" Und diese Antwort gilt immer noch. Wir Juden müssen uns selbst helfen. Aber wie helfen wir uns? Daß im Großen das Problem der Arbeitspolitik nur international gelöst werden kann, diese Erkenntnis beginnt — nicht zum wenigsten dank der zähen Tätigkeit des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, sich immer mehr durchzusetzen. Unsere Arbeitsfürsorge nun ist ja auf einen erheblich kleineren Umfang eingestellt: sie ist auf die jüdische Bevölkerung und im wesentlichen doch auf die jüdische Bevölkerung Deutschlands beschränkt. Aber sie ist darauf angewiesen, sich in ihrem verhältnismäßig kleinen Umkreise der größeren Organisation des Reiches und der noch größeren internationalen Organisation — die ja vorerst freilich noch mehr Idee als Realität ist — einzufügen. Und sie ist vor allem darauf angewiesen, ihren verhältnismäßig kleinen räumlichen Bezirk restlos und vollkommen durchzuorganisieren. Was innerhalb Deutschlands die Einordnung der Länder für sorge in die Reichsarbeitsfürsorge, was international die Einordnung der Reichsfürsorge in die internationale Arbeitspolitik ist, das ist auf unserem Gebiete der Ausbau und die Organisation der Wanderfürsorge. Jeder Volkswirt weiß, daß die Konjunkturen nicht nur nach Gewerbezweigen verschieden sind, sondern auch nach Lokalmärkten. Deutschland etwa ist durchaus kein ganz gleichförmiges und einheitliches Wirtschaftsgebiet. Jeder Volkswirt und jeder Praktiker weiß es. daß sehr wohl in Hamburg Arbeitermangel, in München Arbeiterübersdiuß sein kann, daß bei sehr geringen räumlichen Entfernungen die Konjunkturen auf den Arbeitsmärkten so verschieden sein können, daß man bei geschickter Ausnutzung der örtlichen Konjunkturdifferenzen jeweils eine ziemlich große Anzahl Arbeitsloser unterbringen kann. Aber allerdings gehört dazu eine vollkommen ausgebildete, reibungslos funktionierende Organisation der Wanderfürsorge. Freilich kann es eine Unmöglichkeit sein, auch nur 20 Arbeitslose unterzubringen, wenn eine örtliche Fürsorgeorganisation ihre Tätigkeit nur auf den Ort ihres Sitzes beschränkt. Und es bleibt noch dann eine Unmöglichkeit, wenn sie dem Erwerbslosen einfach eine Fahrkarte in die Hand drückt, ohne zu wissen, ob nicht am Reiseziel die Verhältnisse noch schlechter sind. Aber es hört auf, eine Unmöglichkeit zu sein, auch eine noch größere Zahl Erwerbsloser unterzubringen, wenn die Organisation der Arbeitsfürsorge ganz Deutschland erfaßt und jede Fürsorgestelle über die örtlichen und Konjunkturverhältnisse jeder anderen vollständig informiert ist. Es ist also zusammenfassend zu sagen: das Problem der Arbeitsfürsorge kann ungeachtet aller noch so großen Schwierigkeiten gelöst werden. Der Weg zu dieser Lösung liegt in der zähen Verfolgung 89

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