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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-09-01 · 3-4- (September-Oktober 1927) · page 27

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
3-4- (September-Oktober 1927)
Date
1927-09-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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in allen Ländern betroffen zn werden, so wird man wohl berechtigt sein, ein bestimmtes Schicksal dieser Masse konstatieren zu dürfen. Und da es sich bei diesem so „natürlichen" Prozeß stets und in erster Linie um jüdische Menschen handelt, wird man wohl von einem jüdischen Schicksal reden dürfen. Dieses jüdische Schicksal auf dem Gebiete ihrer Arbeit mildern zu helfen, veranlaßt die Hauptstelle, den Kampf gegen den Wanderbettel nicht als ihre wichtigste und entscheidende Aufgabe zu betrachten, sondern vielmehr Formen zu suchen, die geeignet sind, zu einer Produktivierung der jüdischen Wanderung in einem wohl definierten Sinne zu führen. AUS DER PRAXIS Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir fortlaufend Fälle und Hinweise rein praktischer Natur, wie sie sich aus der praktischen Arbeit der jüdischen Wohlfahrtsämter und Organisationen ergeben. Die Redaktion erbittet hierzu die Uebersendung von Material, das über den Einzelfall hinaus typische Bedeutung besitzt, und dessen Veröffentlichung die Arbeit anderer Stellen fördern und vertiefen kann. Jüdische Arbeitslose polnischer Staatsangehörigkeit. — Erwerbslosenunterstützung durch jüdische Wohlfahrtsämter. — Unterstützung von Staatenlosen. — Krankenhausbehandlung polnischer Staatsangehöriger. Die Hauptstelle erhielt von dem Vorstand der Synagogengemeinde M. folgendes Schreiben: „In unserer Stadt sind verschiedene jüdische Arbeitslose polnischer Staatsangehörigkeit, die teils nachweislich von Agenten zur Munitionsarbeit für Deutschland angeworben wurden und tatsächlich diese Arbeit ausgeführt haben, teils sind es Leute, die aus anderen Gründen nach Deutschland gekommen sind. Die Leute sind an sich arbeitswillig, haben von der Regierung Arbeitsgenehmigungsschein, und manche gehen sogar zum Nachweis der Stellungslosigkeit stempeln. Eine öffentliche Unterstützung durch Erwerbslosen- oder Armenunterstützung erhalten sie aber nicht. Wie werden diese Fälle in Berlin behandelt, oder was haben Sie über die Regelung in anderen Orten gehört? Es sind meist ledige Männer von ca. 30 Jahren. Geben Sie ihnen von der jüdischen Wohlfahrtsstelle Unterstützung und in welcher Höhe eventuell? Ist die Unterstützung niedriger als die öffentliche? Bei dauernder geldlicher Unterstützung durch die jüdische Wohlfahrtsstelle belasten solche Fälle den Etat ganz bedeutend. Was für Erfahrungen sind mit Unterstützungen von Staatenlosen gemacht? Können die Staatenlosen, wenn keine Erwerbslosenunterstützung in Frage kommt, Armenunterstützung seitens des städtischen Wohlfahrtsamtes (Unterstützungsamtes) erhalten? Kann man Kranke polnischer Staatsangehörigkeit, die alle durchschnittlich seit 1917-19 in Deutschland sind, vom Bezirksarzt durch die Stadt behandeln lassen? Es handelt sich um ordentliche, aber mittellose Leute . . Unsere Stellungnahme: t. Alle diejenigen nichtlandwirtschaftlichen jüdischen Arbeiter, ganz gleich, welcher Staatsangehörigkeit, die vor dem 1. Januar 1919 nach Deutschland gekommen sind, sind in bezug auf Arbeitsaufnahme den deutschen Arbeitern gleichgestellt. Sie können Arbeit aufnehmen, wo und wann sie wollen. 2. Erwerbslosenunterstützung können diese Arbeiter, sofern sie polnischer Nationalität sind, auf Grund des neuen Abkommens, das unter dem 14. Juli 1927 mit Polen getroffen wurde, erhalten. 3. Jedem Ausländer, ganz gleich, welcher Nationalität, steht auf Grund der Fürsorgepflichtverordnung (§ 13) öffentliche Unterstützung zu. Da das alte Unterstützungs-Wohnsitzgesetz, wonach die Unterstützung an den Heimatsort 83

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