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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-09-01 · 3-4- (September-Oktober 1927) · page 24

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
3-4- (September-Oktober 1927)
Date
1927-09-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Nach den eigenen Angaben Dyks, die als Material dem Berichte beigegeben sind, betragen die Anlage- und Betriebskosten einer solchen landwirtschaftlichen Kolonie 700 000 M., die eine Verzinsung von 42 000 M. erfordern. Dazu kommt nach Dyks Berechnung ein wahrscheinlich notwendiger Zuschuß für die Kolonie von jährlich 15 000 M. Wird ein Ueberschuß von 34 500 M. erwirtschaftet, so beträgt der erforderliche Jahresüberschuß 22 500 M. Falls also 50 Wanderer in diesem Betrieb Unterkunft und Beschäftigung finden, so betragen die Kosten des Einzelwanderers (wenigstens im ersten Jahre) 450 Mark! Jeder Einsichtige wird begreifen, daß das vorgeschlagene Projekt also tatsächlich wirkungslos und finanziell verfehlt ist. Es bleibt nur der Ausweg, den jüdischen Wanderern eine Arbeitsmöglichkeit zu schaffen, die sie sofort oder nach ganz kurzer Zeit zu produktiver Arbeit überleitet. Diesen Ausweg hat Joseph Schwarzschild-Stuttgart auf der Tagung gezeigt — leider ohne das rechte Gehör für seinen Vorschlag zu finden, indem er eine Arbeit für die jüdischen Wanderer empfahl, die sie ohne Vorkenntnisse nach kurzer Anleitung sofort leisten können: die Sortierung von Abfällen für die Industrie oder einen speziellen Handelszweig in Lohnarbeit. Schwarzschild erinnerte dabei daran, daß die Justizverwaltung schon seit 1913 mehr als 200 Gefangene jährlich mit dieser Arbeit beschäftigt. Das Ergebnis der Berliner Beratung ist leider nur die farblose Erklärung gewesen, daß die Mitgliederversammlung von den vorgelegten Leitsätzen „mit Interesse und Dank Kenntnis genommen hat" und den Vorstand „bittet, die vorgelegten Projekte der landwirtschaftlichen und gewerblichen Produktivierung einer weiteren Prüfung und Beratung zu unterziehen". Die jüdische Oeffentlichkeit hat die Pflicht, sich frei über die Berliner Beratungen zu äußern. Sie ist der neuen Zeitschrift zu ernstem Danke dafür verpflichtet, daß sie durch die Veröffentlichung der Berliner Beratungen die freie Aussprache über die ernste Frage der Verwertung der Arbeitskraft der jüdischen Wanderung eröffnet hat. Nachbemerkung der Schriftleitung: Dem Verfasser des vorstehenden Artikels sind leider eine Fülle von Mißverständnissen unterlaufen, die aus dem Verkennen der gegenwärtigen Problematik jüdischer Wander für sorge Deutschlands resultieren. Die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge ist keine Organisation zur Bekämpfung des Wander- und Hausbettels, sondern ihre Arbeit ist all jenen Fragen gewidmet, die sich mit der wirklichen jüdischen Wanderung beschäftigen. Es mag zugegeben werden, daß sehr oft die Wanderbettelei eine ihrer Wurzeln in den Ursachen und Gegebenheiten der jüdischen Wanderung hat; aber es dünkt uns eine Verkleinerung und Verkennung des Problems, die Fragen der jüdischen Wanderung überhaupt und allein unter dem Gesichtswinkel des Wanderbettels und dessen Bekämpfung betrachten zu wollen. Zu Beginn seiner Ausführungen stellt der Verfasser die Beurteilung des Wertes der Produktivierung der jüdischen Wanderung in den engsten Zusammenhang mit der Beurteilung der Möglichkeit einer Gesamtlösung des Wanderproblems überhaupt. Das Problem so stellen, heißt den Sinn des Begriffes der Wanderung, ihrer Ursachen und bewegenden Momente als eines akuten Notstandes verkennen. Von einer völligen Problemlösung könnte man vielleicht bei einer konstanten, in sich unveränderlichen, nicht allzu reich gegliederten Wanderung sprechen. Dann hieße Produktivierung nichts anderes als Seßhaftmachung dieser bekannten, genau umgrenzten Zahl. Die Betrachtung der Wirklichkeit aber ergibt, daß die Gesamtzahl der Wanderer — mag sie nach außen hin Jahre hindurch auch konstant sein — in sich variabel ist und bleibt. Die Gesamtzahl mag für mehrere Berichtsperioden die gleiche sein, aber es wandern doch nicht jahraus, jahrein die gleichen Menschen. Und dann darf nicht verkannt werden, daß die Wanderung in Deutschland zum guten Teil Durchwanderung ist und bleiben wird. An diesem Tatbestand könnte eine noch so gute und vollkommene Statistik nichts ändern. Die Schwierigkeiten einer Wanderungsstatistik dürfen aber auch nicht unterschätzt werden. Die 80

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