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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-09-01 · 3-4- (September-Oktober 1927) · page 21

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
3-4- (September-Oktober 1927)
Date
1927-09-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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WARNUNG VOR AUSWANDE¬ RUNG NACH FRANKREICH Vom Berliner Büro der Hias-Ica-Emigdirekt wird nachstehende ernste Warnung vor Auswanderung nach Frankreich erlassen. Obwohl wir bereits wiederholt in aller Oeffentlichkeit gewarnt haben, fühlen wir uns doch veranlaßt, den Inhalt dieser Warnung nochmals zu veröffentlichen, „Mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Bedingungen des Landes, die eine vollständige Äbsorbtion aller ausländischen Arbeitskräfte nicht zulassen, werden den Emigranten, die Frankreich ohne regelmäßiges Visum betreten haben, bei der Verlängerung ihres Sichtvermerks die größten Schwierigkeiten gemacht. Nach den bestehenden und mit der größten Strenge durchgeführten Bestimmungen haben das Recht, sich in Frankreich aufzuhalten, nur diejenigen, denen das Visum ohne jede einschränkende Bemerkung bezüglich der Aufenthaltsdauer erteilt wurde. Andererseits übt das Arbeitsministerium eine strenge Kontrolle darüber aus, daß die ohne besonderen Arbeitskontrakt eingewanderten Ausländer keine bezahlte Stellung annehmen. Der Unternehmer, der einen nicht mit einer besonderen Arbeitserlaubnis versehenen Ausländer beschäftigt, setzt sich den strengsten Sanktionen seitens der Behörden aus. Unter diesen Bedingungen ist es selbst denjenigen Ausländern, die zwar eine regelrechte Aufenthaltserlaubnis, aber keine Arbeitsberechtigung haben, unmöglich, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir glauben, daß es im Interesse aller jüdischen Emigranten liegt, die Läse in Frankreich genauer zu kennen. Die Pflicht aller jüdischen Emigrationskommitees ist es, den Auswanderern alle wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen des Landes, die, wie Sie sehen, nicht sehr günstig sind, auseinanderzusetzen. Desgleichen erweist es sich als notwendig, die Emigranten darauf aufmerksam zu machen, daß sie auf keinerlei pekunäre Hilfe von Seiten der Lokalkommitees rechnen dürfen, und daß sie unbedingt selbst über die ihnen nötigen Mittel verfügen müssen. Wir hegen die Hoffnung, daß Sie diesen Informationen die weiteste Verbreitung angedeihen lassen werden, um auf diese Weise den Interessierten eine meist tragische Situation zu ersparen4* DER KAMPF GEGEN DEN JÜDISCHEN WANDER¬ BETTEL Wir entnehmen der Jüdischen Ge meindezeitung Württembergs (16. August 1927) folgenden Leitartikel, den wir, nur unwesentlich gekürzt, wiedergeben. (Wir gehen sicher nicht fehl in der Annahme, den Verfasser dieses Artikels in der Person des Schriftleiters, Herrn Rabbiner Dr. Rieger, Stuttgart, zu suchen.) Der Abdruck dieses Artikels erfolgt aus dem Gesichtspunkt heraus, weil er die umfassendste und ernsteste Auseinandersetzung mit dem in Nr. 1/2 dieser Zeitschrift veröffentlichten Bericht der Mitgliederversammlung der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge darstellt. So begrüßenswert dieser Artikel als Zeichen der Beschäftigung mit unsereu Problemen und als Diskussionsgrundlage ist, so kann die Schriftleitung dieser Zeitschrift doch nicht umhin, in einigen kritischen Nachbemerkungen zu ihm Stellung zu nehmen. Die jüdische Oeffentlichkeit hat bei der außerordentlichen Wichtigkeit des Problems der Produktivierung der jüdischen Wanderung Deutschlands die Pflicht, die in der Berliner Tagung gemachten Vorschläge ernst zu prüfen Gelingt es, die jüdischen Wanderer zu produktivieren, sie in produktive, sich selbst erhaltende Arbeiter umzuwandeln, dann ist das Problem der jüdischen Wanderung gelöst. Es bleibt ungelöst, solange dieses Ziel nicht erreicht ist. Die Voraussetzung zur Erreichung dieses Zieles ist die genaue Statistik des Umfanges der jüdischen Wanderung in Deutschland. Will man ein Uebel beheben — und ein solches ist diese zumeist sinnlose Wanderung — dann muß man seinen Umfang kennen. Die offiziellen Stellen rechnen zurzeit mit etwa 22 000 jüdischen Wanderern in Deutschland. Da aber ein wesentlicher Teil dieser Wanderer nur Durchwanderer durch Deutschland sind, Heimkehrer aus allen Ländern der Erde nach allen Ländern der Erde, muß die behauptete Wandererzahl um diese Anzahl verringert werden. Von der Restzahl muß wieder die Zahl derjenigen jüdischen Wanderer, die arbeitsfähig sind, festgestellt werden, da naturgemäß die Arbeitsinvaliden und die Ueberalterten einer produktiven Tä- 77

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