Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 3-4- (September-Oktober 1927)
- Date
- 1927-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Auswanderungsländern empfand. Unter dem Drucke der Gegebenheiten der Situation, die eine Auswanderung immer mehr erschwerten, wurden die drei Organisationen „Hias-Ica-Emigdirect" zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, die nunmehr die früher von jeder dieser Organisationen selbständig geführte Tätigkeit übernommen hat und in vergrößertem Umfange durchführen soll. Die neugegründete Organisation nahm am 1. April 1927 ihre Tätigkeit auf. Ihr fällt es nunmehr zu, die gesamte jüdische Wanderbewegung nach einheitlichen Gesichtspunkten zu regeln. IV. Die Schaffung der Organisation „Hias-Ica-Emigdirect" bedeutet einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der Regelung und Organisierung der jüdischen Wanderung; ist es doch das erstemal, daß eine derartige Organisation, getragen von allen Kräften, die auf dem Gebiete der jüdischen Wanderung tätig sind, den Versuch macht, nach einheitlichen Grundsätzen die jüdische Wanderbewegung zu beeinflussen. Es handelt sieh hierbei um folgende Aufgaben: 1. Feststellung der Länder, die zur Aufnahme von jüdischen Wanderern überhaupt in Frage kommen. Dies gilt hauptsächlich für Südamerika, wo noch außerordentlich große Einwanderungsmöglichkeiten vorhanden sind. 2. Schaffung der Voraussetzungen, die es dem Einwanderer möglich machen, in diese Länder zu wandern, d. h. Feststellung, welche Berufe in den in Frage kommenden Ländern überflüssig und welche nicht vorhanden sind. Berufsumschichtung der Auswanderer für Berufe, für die die Einwanderungsländer noch aufnahmefähig sind. 3. Möglichst weitgehende Verbilligung der Reisekosten, SQwie dort, wo es unumgänglich notwendig ist, Sicherung der Reisemöglichkeit. 4. Schaffung von Einrichtungen in den Einwanderungsländern, die es dem Einwanderer ermöglichen sollen, im Einwanderungsland festen Fuß zu fassen. Als derartige Einrichtungen kommen in Betracht: Unterkunftsheime, Arbeitsvermittlungsstellen und sonstige für die Einwanderung notwendige Fürsorgemaßnahmen. 5. Schaffung von Einrichtungen in den Auswanderungsländern, die es dem Auswanderer ermöglichen, sich in kurzer Zeit auf jene Berufe umzustellen, die bei der Einwanderung von Nutzen sein können. Schaffung von Sprachkursen und sonstigen Fortbildungsmöglichkeiten, die dem Einwanderer seinen Weg erleichtern sollen. * Von der neugeschaffenen Organisation und ihrer Energie hängt es ab, ob es gelingen wird, auch unter den gegebenen schwierigen Verhältnissen die jüdische Auswanderung in nennenswertem Umfange zu 61