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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-09-01 · 3-4- (September-Oktober 1927) · page 3

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
3-4- (September-Oktober 1927)
Date
1927-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Masse drängte dorthin, wo sie Arbeitsmöglidikeiten vermutete, ihr gesunder Instinkt verhinderte die Wanderung nadi Ländern, die nicht mehr aufnahmefähig waren. Der Krieg und seine Folgen, die Umwälzungen in den Ländern Osteuropas haben die Lage der Juden in diesen Ländern wesentlich verschlechtert; wenn auch politisch und rechtlich manche Verbesserung erfolgt ist, so sind doch die wirtschaftlichen Verhältnisse schwieriger, fast unerträglich geworden. Dies bewirkte eine ungeheure Steigerung des Auswanderungsbedürfnisses und führte zu der katastrophalen und chaotischen Wanderung nach Westeuropa, deren Zeugen wir in den ersten Jahren nach dem Kriege waren. Auch jetzt, nachdem eine gewisse Konsolidierung im Osten eingetreten ist, kann festgestellt werden, daß das Bedürfnis einer großen nach hunderttausend den zählenden Masse zur Auswanderung unvermindert fortbesteht. Diesem gesteigerten Aus Wanderungsbedürfnis stehen verminderte Einwanderungsmöglichkeiten gegenüber. Vor dem Kriege wanderten nach Amerika durchschnittlich 100 000 Juden jährlich, im Jahre 1914 betrug der Prozentsatz der jüdischen Einwanderung 11,3 Proz., im Jahre 1925 nur noch 3,5 Proz. Die Möglichkeiten zur Einwanderung nach anderen Ländern wie Kanada, Argentinien und Brasilien sind für die Juden sehr gering, weil in diesen Ländern eine Einwanderung landwirtschaftlicher Arbeitskräfte bevorzugt wird. Audi die Einwanderungsmöglichkeiten nach Palästina sind vorläufig nicht groß genug, um eine wesentliche Befriedigung des Auswanderungsbedürfnisses der jüdischen Massen zu bewirken. Neben der für die Auswanderung aus Osteuropa geradezu katastrophalen Wirkung der Einwanderungssperre der Vereinigten Staaten sind noch andere Momente hinzugetreten, die eine Auswanderung erschweren, und zwar zunächst die außerordentliche Verarmung der Auswandernden, die es ihnen fast unmöglich macht, ihre Reisekosten selbständig aufzubringen. Auch vor dem Kriege wurden die Reisekosten in einem großen Umfange von den Familienangehörigen in Amerika getragen oder zumindest vorgestreckt, mit dem Aufhören der Einreisemöglichkeit nach Amerika hörte aber auch diese Hilfe fast ganz auf. Hinzu kommen nun noch die zahllosen Paß- und Visa-Schwierigkeiten, die vor dem Kriege ganz unbekannt waren, und die in der Gegenwart auf jede Auswanderung hemmend wirken. Wenn die Verhältnisse sich soweit gebessert hätten, daß das Bedürfnis zur Auswanderung zurückgegangen wäre, könnten alle diese die Auswanderung erschwerenden Momente noch in Kauf genommen werden. Bei dem gesteigerten Bedürfnis zur Auswanderung aber, das wir bereits oben näher gekennzeichnet haben, bedeuten diese künstlichen Hemmungen nicht nur für die Auswanderer einen ungeheuren Gefahrenherd. Unter diesen Verhältnissen wird die Frage der Regulierung und Organisation der jüdischen Wanderung zu einer der brennendsten Fragen der jüdischen Gegenwart. III. Versuche zur Organisation der jüdischen Wanderung sind wiederholt von verschiedenen Organisationen und für bestimmte begrenzte 59

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