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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-09-01 · 3-4- (September-Oktober 1927) · page 2

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
3-4- (September-Oktober 1927)
Date
1927-09-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Der größte Teil dieser Wanderer, fast 80 Prozent, wanderte nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Nur ein kleiner Teil ging nach Süd»Amerika, hier hauptsächlich nach Argentinien, wo die Versuche des Baron Hirsch und der von ihm gegründeten „ Jewish Colonisation Association" (Ica) zur Kolonisierung der Einwanderer gemacht wurden. Die Entwicklung des jüdischen Gemeinwesens in Amerika, die großzügige Hilfeleistung der amerikanischen Juden für ihre in Osteuropa zurückgebliebenen Angehörigen und Volksgenossen legen Zeugnis ab von dem Erfolg der jüdischen Auswanderung. Bestehen noch bei den Ursachen der jüdischen Auswanderung in einem gewissen Umfang Zusammenhänge mit den Gründen der Auswanderung bei andren Völkern, so sind aber Art und Charakter der jüdischen Auswanderung ganz eigenartig. Dies drückt sich vor allem darin aus, daß die jüdische Wanderung ausgesprochene Familien Wanderung ist, d. h. daß die Zahl der verheirateten Auswanderer und die der Frauen und Kinder größer ist, als bei allen anderen Völkern. Dies ergibt sich einwandfrei aus den Statistiken der Nordamerikanischen Einwanderungsbehörden. In den Jahren 1899—1914 wanderten in die Vereinigten Staaten 654 080 jüdische Frauen ein, das sind 44,05 Proz. der gesamten jüdischen Einwanderung. Im Vergleich dazu betrug der Anteil der Frauen bei den Ukrainern 50,54 Proz., bei den Litauern 52,42 Proz., bei den Polen 52,97 Proz., bei den Russen 15,95 Proz., bei den Rumänen 15,09 Proz. Der Charakter der jüdischen Wanderung als Familien Wanderung wird noch deutlicher, wenn man den Anteil der Kinder unter 14 Jahren an der Einwanderung nach den Vereinigten Staaten beobachtet. Er betrug in dem gleichen Zeitraum bei den Juden 24,57 Proz. gegenüber 12,58 Proz. der Gesamteinwanderung. Bei den anderen Einwanderern aus Osteuropa betrug er: bei den Polen 9,76 Proz., Litauern 7,29 Proz., Russen 5.42 Proz., Ukrainern 5,41 Proz., Rumänen 5,69 Proz. Im Zusammenhang damit, daß die jüdische Auswanderung in großem Maße Familien Wanderung ist, steht auch die Tatsache, daß sie ihrer Art nach Dauerauswanderung ist. Die jüdischen Auswanderer brechen alle Brücken hinter sich ab, sie kehren fast nie in ihre alte Heimat zurück, dies beweisen auch die folgenden Zahlen über die Rückwanderung aus Nordamerika in den Jahren 1908—14. Bei einer Gesamteinwanderung von 6 709 557 Personen wanderten 2 065 767 oder 50,76 Proz. wieder aus. Die Zahl der jüdischen Einwanderer in diesem Zeitraum betrug 656 597. die der Rückwanderer 48 858 oder 7,14 Proz. Während also bei der Gesamteinwanderung nur 69 Proz. der Einwanderer endgültig in den Vereinigten Staaten blieben und der Rest mit den gemachten Ersparnissen in die alte Heimat zurückkehrte, blieben von den jüdischen Einwanderern mehr als neun Zehntel für immer in der neuen Heimat. II. Aus dem Verlauf der jüdischen Wanderbewegung bis zum Ausbruch des Krieges ist zu ersehen, daß sie trotz des Fehlens jeglicher Organisation zur Regulierung und Lenkung des Wanderstromes doch in einem gewissen Sinne ziel- und planmäßig verlief. Die wandernde 58

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