Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 1-2 (Juli-August 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Betrieb im Gleichgewicht erhalten bleiben können und der Aufwand an Ameliorationen und zur Schaffung von Nebenbetrieben nur eine Investition mit der Aussicht auf Rente für die Zukunft bedeuten. Eine normale Arbeitsleistung unter Berücksichtigung der subjektiv und objektiv entschuldbaren Mängel der Wanderer wird allerdings beansprucht werden müssen, und nur die werden auf dauernde Beschäftigung rechnen können, die sich allmählich zu einer unbedingt befriedigenden Leistungsfähigkeit als qualifizierte Arbeiter, Praktikanten oder Handwerker entwickeln. Die unabänderlich Arbeitsscheuen oder aus anderen Gründen sich nicht Bewährenden werden nach einer Probezeit von mehreren Wochen zur Entlassung kommen müssen. Damit wird aber für die Institutionen, die sonst die Fürsorge für diese Wanderer zu leisten haben, der Prüfstein gegeben sein für die wirklichen Ursachen der Wanderung bei einzelnen und damit die Möglichkeit, endgültig Stellung zu nehmen zu diesen jeder Arbeit Unfähigen. Damit berühren wir auch schon die Frage der Ausgaben für wandernde Juden in Deutschland und kommen so zu der Ueberlegung über den Aufwand an notwendigen Geldern zur Beschaffung eines solchen Objektes, zu den etwa notwendigen dauernden Zuschüssen, und ferner zu der Ueberlegung über die Möglichkeit der Rentabilität des in Aussicht genommenen Betriebes. Ein Objekt von ca. 2000 Morgen dürfte je nach der Provinz, Lage zu einer Großstadt, nach Qualität des Bodens, der Intensitätsstufe, den Gebäudeverhältnissen und dem Zustand des toten und lebenden Inventars zurzeit etwa den Kaufpreis von 400 000—1 000 000 Mk. haben. Wir können annehmen, daß als Kaufobjekt ein Gutsbetrieb in Frage kommt, der für den Preis von rund 600 000 Mark zu haben ist. In diesem Fall ist es wie sonst im Handel mit landwirtschaftlichen Gütern möglich, mit dem Aufwand eines Drittels des Kaufpreises als Anzahlung in den Besitz eines solchen Objektes zu gelangen, wobei der Restbetrag mit rund 6 Prozent zu verzinsen ist. Es ist weiter zu berücksichtigen, daß an notwendigem Betriebskapital und zur Durchführung der für unseren speziellen Zweck notwendigen Bauten sowie etwaiger Ameliorationen, um mehr Arbeiter, als an sich durch den Betrieb möglich, zu beschäftigen, weitere 100 000 Mark notwendig sind. Es müssen also bei Durchführung des Projektes 300 000 Mark in bar zur Verfügung stehen, und es bleibt als verzinsbare Schuld der Betrag von 400 000 Mark. Unterstellt man, daß sowohl das Barkapital als auch die Grundschuld mit 6 Prozent zu verzinsen sind, so bedeutet die ganze Belastung eine jährliche Aufwendung von 42 000 Mark an Zinsverpflichtungen. Es ist nun die Frage: Kann aus dem Betrieb diese Zinsbelastung erwirtschaftet werden, oder und in welcher Höhe sind Zuschüsse notwendig? Trotz der schwierigen Lage der Landwirtschaft in den letzten Jahren — und die Ursache hierfür ist die ungünstige Spannung zwischen Produktionskosten und den Preisen für landwirtschaftliche Produkte —, ist es möglich, in einem geordneten Betrieb bei einer solchen Verzinsung im Gleichgewicht zu bleiben, in vielen Fällen auch mit einem kleinen Ueberschuß zu wirtschaften. Um das Gesagte exemplarisch zu belegen, sei auf einen Betrieb in den Ausmaßen von ca. 1700 Morgen, in der Nähe Berlins gelegen, der meiner Leitung untersteht, Bezug genommen. Es ergeben sich für ein Betriebsjahr im Durchschnitt folgende Zahlen: Ausgaben: Gehälter und Löhne ca. 55 000 Mark Allgemeine Betriebsunkosten (Versicherungen, Maschinenreserveteile, Oele, Fette, Kohlen, Garn etc.) 30 000 Mark Steuern und Lasten 10000 Mark Kunstdünger 20 000 Mark 115000 Mark — 51 —