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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 44

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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die gegebenste Einrichtung zu sein. Die Leiterin des Berliner Arbeitsnachweises, f rau Prochownik, hat mir gestern sogar erzählt, daß sie zurzeit in Berlin mehr Angebote von Stellen als Nachfragen hat. Ich wäre dankbar, wenn Frau Prochownik «ich mit einem Worte hierüber äußern würde. Frau Prochownik-Berlin: Es entspricht den Tatsachen, daß bei uns augenblicklich ein großes Angebot an Stellen vorliegt, ja, wir verfügen sogar im Moment, z. B. in der Abteilung für weibliches kaufmännisches Personal, über mehr freie Stellen, als wir besetzen können. Dieses übergroße Angebot an offenen Stellen im Laufe der letzten Wochen ist eine Tatsache, die nicht nur auf unseren Arbeitsnachweis beschränkt bleibt, sondern die sich im Augenblick auch auf den gesamten öffentlichen Arbeitsnachweisen bemerkbar macht. Wir arbeiten selbstverständlich in engster Fühlungnahme mit den öffentlichen Arbeitsnachweisen, um eine möglichst vollständige Besetzung aller offenen Stellen vornehmen zu können. Katzen stein-Leipzig: Die soeben gehörten Ausführungen waren mir überaus interessant. Wir haben bisher in Leipzig nur Mißerfolge zu verzeichnen gehabt. Ich möchte gern die Frage beantwortet haben, warum Menschen, die in unseren landwirtschaftlichen Anstalten arbeiten sollen, pro Monat nur 40 Mark verdienen und dem Heim 60 Mark kosten. Ich kann mir nicht denken, daß die landwirtschaftliche Arbeit so überaus schlecht bezahlt wird. Vorsitzender B e r g e r - B e r 1 i n : Ich glaube, daß Sie Herrn Dyk nicht genau verstanden haben. Er sprach von Arbeitern, wie sie uns zur Verfügung stehen. Der wirklich gute Landarbeiter verdient zwar nicht viel, aber doch so viel, wie er zum Leben braucht. Der Landarbeiter, wie wir ihn zur Verfügung haben, kann das nicht einbringen. Selbst nicht bei Pastor Braune, der mit besserem Material zu tun hat als wir. Aber bei unserem Landarbeiter soll es gar nicht so sehr darauf ankommen, wieviel er verdient. Ich glaube, wir können nunmehr die Besprechung dieser Frage verlassen und uns der Diskussion über die Richtlinien der Hauptstelle zuwenden. Katzenstein-Leipzig: Das Referat von Herrn Grünbaum, auf dessen Drucklegung wir Wert legen, gibt mannigfache Anregungen zu den Richtlinien. Die Richtlinien sollen einen genauen Leitfaden geben, wie der Durchwanderer zu behandeln ist. Da die Durchwanderer sich ja nicht nur auf die Kassen beschränken, so wären diese Richtlinien auch allen kleineren Gemeinden zugänglich zu machen. Es müßten in den Richtlinien Anhaltspunkte darüber vorhanden sein, damit man je nach Lage des Falles eine Entscheidung treffen kann. Es muß berücksichtigt werden, aus welchen Verhältnissen der Mann stammt, was ihn zum Wandern gebracht hat, was mit seiner Familie geschehen soll usw. Es muß darauf gedrungen werden, daß jeder Wanderer, der an seiner Kasse vorspricht, eine Meldekarte erhält. So wird jeder einzelnen Kasse eine viel bessere Kontrolle ermöglicht werden. Ich glaube auch nicht, daß die Kasse dazu da ist, Geschäftsreisenden, die auf ihre Kosten nach Leipzig fahren, die Rückreisekosten zu erstatten. Besonderer Wert müßte darauf gelegt werden, daß die Rückreise nach dem Heimatsort möglichst ohne Unterbrechung erfolgt. Die Leute können nachts ebensogut im Zug schlafen wie in den oft recht zweifelhaften zur Verfügung stehenden Nachtquartieren. Dr. Kreutzberger-Berlin: Ich möchte Herrn Adler-Rudels Ausführungen noch in einem Punkte ergänzen. Wir haben bei Gründung der Hauptstelle allgemeine Richtlinien aufgestellt und es der einzelnen Kasse überlassen, wie sie im einzelnen verfährt. Unsere bisherige Erfahr — 44 —

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