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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 42

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
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zur Rückwanderung zu veranlassen. Durch Aufklärung aber, insbesondere durch den Hinweis, daß paßlose Wanderung in unserer Zeit unmöglich und aussichtslos ist, gelingt es in vielen Fällen, freiwillige Rückwanderung zu erwirken, und daß dies möglich ist und für den Rückwanderer keine besonderen Gefahren birgt, ersehen Sie aus der Tatsache, wie stark die Rückwanderung sowohl aus Frankreich als auch aus Deutschland ist, sobald sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Polen auch nur ein wenig gebessert haben. Die Behauptung, daß unter den Auswanderern eine außerordentlich große Zahl von Deserteuren ist, gehört zu den vielen Legenden und Uebertreibungen, die man in unserer Arbeit so oft zu hören gezwungen ist. Die Zahl der jüdischen Deserteure ist außerordentlich gering und steht in keinem nennenswerten Verhältnis zur Zahl der Wanderer aus Polen überhaupt. Die Erkenntnis der Notwendigkeit der Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten hat sich im polnischen Judentum so weit durchgesetzt, daß die Desertion jüdischer Soldaten Äußerordentlich gering ist. Es hat deshalb keinen Sinn, dieses Argument dauernd In der Debatte zu gebrauchen, es verhüllt nur den wahren Sachverhalt. Und nun zum Schluß zur Frage der Staatenlosen. Auch dieses Thema ist heute oft variiert worden, und auch hier muß man vor Uebertreibungen warnen. Es gibt zweifellos eine sehr große Zahl Staatenloser, doch geht diese keineswegs — bei den Juden zumindest nicht — in die Hunderttausende oder Millionen, wie man es manchmal zu hören bekommt. Die Periode der Staatenlosigkeit ist in gewissem Sinne vorbei, d. h. die Grenzverschiebungen im Osten haben aufgehört, die Staatsgebiete stehen fest, und die Zahl jener Personen, die durch die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit staatenlos geworden sind, steht ebenfalls fest. Für diese Staatenlosen sind außerordentliche Bemühungen notwendig. Sie haben heute bereits gehört, mit welchem Interesse wir uns den Staatenlosen widmen, und daß es — wenn auch nach schwerer Arbeit — gelingt, die Lage dieses Personenkreises zu bessern. Ein Beispiel dafür ist die eben in Deutschland zuerkannte Erwerbslosenfürsorge für Staatenlose. Rechte, die wir für die Staatenlosen erreichen, dürfen uns aber nicht dazu veranlassen, die Zahl der Staatenlosen zu vermehren. Wir müssen nach Möglichkeit dafür sorgen, daß jene Personen, die nun aus verschiedenen Gründen sich ihrer Staatsangehörigkeit entäußern, darüber aufgeklärt werden, wie sehr sie ihre Existenz und ihre ganze Zukunft gefährden. Wer im Besitz einer Staatsangehörigkeit ist, hat heute noch überall einen gewissen Rechtsanspruch und (lie Möglichkeit eines Schutzes bei seinem Konsul. Die Beziehungen der Staaten untereinander werden — von gewissen Rückschlägen abgesehen — immer besser, die Abkommen über Niederlassungs- und Aufenthaltsrecht immer weitgehender. Die Lage der Staatenlosen aber wird für lange Zeit hinaus rechtlich ungeklärt bleiben. Dies liegt an der Kompliziertheit des Problems, woran wir nichts ändern können. Es liegt daher im Interesse der von uns betreuten Menschen, sie immer wieder davor zu warnen, sich ihrer Staatsangehörigkeit zu entäußern, und ihnen jede notwendige Hilfe dort angedeihen zu lassen, wo es sich darum handelt, die Staatsangehörigkeit festzustellen oder ihre Erhaltung zu verteidigen. Dies nur kurz zu den aufgeworfenen Fragen. Sofern sie Ihnen in der täglichen Arbeit begegnen und sich Unklarheiten zeigen, sind wir jederzeit zur ausführlichen Aufklärung und Beratung bereit und bitten Sie, davon in möglichst weitgehendem Maße Gebrauch zu machen. Vorsitzender B e r g e r - B e r 1 i n : Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, daß im Augenblick zur Diskussion steht, ob an dem bisherigen Meldesystem grundlegende Aenderungen oder Verbesserungen eintreten sollen. — 42 —

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