Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 1-2 (Juli-August 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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dem bayrischen Landesverband aufs engste zusammen, und dieser vertritt die bayrischen Kassen gegenüber der fiauptstelle. Diese Art der Regelung müßte mit den anderen Landesverbänden ebenfalls energisch betrieben werden. Auch für die Unterhandlungen mit dem Ausland dürfte die Mitwirkung der Landesverbände notwendig und wichtig sein. Wir sind z. B. gern bereit, uns vom bayrischen Landesverband aus gemeinsam mit der fiauptstelle in Oesterreich zu wenden. Vielleicht gelingt es so leichter, als es der Hauptstelle möglich war, mit Oesterreich eine Verbindung herzustellen. Für die Finanzierung werden gleichfalls die Landesverbände mobil gemacht werden müssen. Es scheint mir auf die Dauer nicht richtig und angängig, daß die Hauptstelle sich „schnorrend" an die einzelnen Verbände wendet. Sie bekämpft ja das System des Schnorrens und soll sich dann nicht selbst auf den „Wanderbettel" verlegen. Aus prinzipiellen Gründen müßten die Landesverbände die Finanzierung der Hauptstelle übernehmen. Auch die Heranziehung der öffentlichen Mittel bedarf der näheren Erörterung. Es scheint notwendig zu sein, den einzelnen Provinzialkassen genaue Anweisung zu geben, in welcher Form öffentliche Mittel zu erlangen sind. Alle diese Momente, die ich hier kurz andeutend zusammengefaßt habe, ohne selbst zu ihnen Stellung zu nehmen, sind außerordentlich wichtig für unsere weitere Erörterung, damit wir durch die heutige Versammlung einige Klarheit gewinnen, und damit wir wissen, in welcher Weise wir ferner zusammenarbeiten wollen. Dr. Ollendorff-Berlin: Die Frage der neuen Wandergesetzgebung scheint mir noch völlig ungeklärt zu sein. Es ist gar nicht sicher, ob ein solches Wanderfürsorgegesetz überhaupt erscheint. Ich habe den Eindruck, als ob den Behörden gegenüber vielleicht in dieser Frage noch stärker die jüdischen Gesichtspunkte herauszuarbeiten sind. Was die Heranziehung öffentlicher Mittel anbetrifft, so würde es mir vollkommen verkehrt erscheinen, wenn wir ganz radikal auf eigene Mittel verzichten würden und alles den kommunalen Stellen überließen. Es würde sich um einen Versuch handeln, eine generelle Regelung mit den Spitzenorganisationen, z. B. dem deutschen Städtetag oder dem deutschen Landkreistag, zu schaffen, um Grundsätze für unser Sonderproblem herauszuarbeiten. Ferner möchte ich anregen, daß die Hauptstelle sich gemeinsam mit der Zentralwohlfahrtsstelle und Vertretern anderer beteiligter Organisationen mit der Frage der Reichswanderfürsorgegesetzgebung beschäftigt, um geeignete Vorschläge für die reichsgesetzliche Regelung auszuarbeiten. Lehmann-Fürth: Ich will nicht sagen, daß ich ein ausgesprochener Gegner der einzurichtenden Arbeitsstätte bin. Nur lehrt mich die bisherige Erfahrung und ein Bericht aus Fürth aus dem Jahre 1875, den ich Ihnen zur Verfügung stellen kann, daß es an Versuchen bisher nicht gefehlt hat, daß sie aber alle fehlgeschlagen sind. Hinzu kommt, daß in Bayern ganz besondere Verhältnisse herrschen. Diese Besonderheit der Verhältnisse erschwert uns die Arbeit in einem ganz anderen Maße als irgendeiner Provinzialkasse im übrigen Deutschland. Katzenstein-Leipzig: Ich möchte vorschlagen, um die Diskussion in ein einheitliches Fahrwasser zu bringen, daß wir uns nach folgenden Gesichtspunkten richten sollen: 1. Finanzierung der Hauptstelle, 2. Erörterung der gesetzlichen Bestimmungen, 3. Abänderung oder Beibehaltung der bisherigen Richtlinien, 4. Fragen der Statistik, 5. Produktivierung und die Bereitstellung der Mittel, 6. Behandlung der ziellosen Wanderer. - 40 -