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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 38

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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Dr. Hartmann den Landesfürsorgeverbänden dringend empfohlen, durch großzügige Anerkennung der Landhilfsbedürftigkeit wandernder Personen zur Verbesserung der Wanderfürsorge beizutragen. Dieser Wunsch hat großen Widerhall gefunden, und man merkt dies bereits bei der Behandlung der Wanderfürsorge in den einzelnen Wohlfahrtsämtern. Es sind Verhandlungen mit den Leitern der städtischen Wohlfahrtsämter nötig, die meistenteils von Erfolg begleitet sind. Weitere Mittel stehen von den Landesjugendämtern für jugendliche Wanderer zur Verfügung aus den Mitteln, die die Landeswohlfahrtsämter für Gefährdetenfürsorge auswerfen. Ich bin der Ueberzeugung, daß jede Kasse, auch wenn die Verhältnisse noch so schwierig sind, ihre Mittel aufbringen kann, wenn sie alle Möglichkeiten erschöpft. Endlich sei noch die Notwendigkeit erwähnt, daß die Hauptstelle es so weit bringt, daß sie die Mittel für den eigenen Bestand von den großen Organisationen erhält; so müßte der Preußenverband, der bayerische, badische, württembergische und die sonstigen Verbände die Mittel für die Geschäftsführung der Hauptstelle aufbringen. Das sind im großen und ganzen meine Erfahrungen, die sich aus der Praxis ergeben haben. Bei aller notwendigen Kritik darf man die Erfolge, die die Hauptsfelle und die Kassen in den letzten Jahren erreicht haben, nicht verkennen. Ein Blick auf die Statistik der Vorkriegszeit und ein Vergleich dieser Zahlen mit denen der Nachkriegszeit zeigt uns am besten, was erreicht worden ist. Im Jahre 1912 wurden in Deutschland 38 300 Personen befördert, die Beförderung verursachte eine Ausgabe von 133 359 M., davon waren rund 5000 Schwindler, die an den Kassen abgewiesen worden sind. Im Jahre 1913 wurden in Deutschland 43 105 Wanderarme befördert, die einen Kostenaufwand von 139172 M verursachten, davon waren 7121 ausgesprochene Schwindler, die abgewiesen worden sind. Vergleichen wir diese Zahlen mit denen aus dem Jahre 1926. Im Jahre 1926 wurden in ganz Deutschland 18 076 Personen befördert, davon wurden abgewiesen 3092 Leute. Aus diesen Zahlen kann man zweierlei sehen, erstens, wie stark die Wanderung an sich zurückgegangen ist. Dieses Abflauen der Wanderung hängt mit der intensiven Arbeit der Hauptstelle durch Aufklärung in den Zeitungen des Auslandes, durch Verhandlungen mit dem Auslande zusammen. Zweitens kann man daraus sehen, daß das Schnorrwesen ungeheuer zurückgegangen ist. 1912 waren es 5000 Schnorrer, 1913 über 7000 und 1926 kaum noch 3000. Dabei ist die Veranlassung zum Schnorren 1926 weit größer als 1912. Unsere Arbeit hat also Erfolg gehabt, den wir auf alle Fälle anerkennen wollen. Wir wollen aber unsere Kassen so ausbauen, daß die jüdische Wanderung noch mehr zurückgeht. Die einleitenden Schritte sind schon getan, und der Vorstand der Hauptstelle wird nichts unversucnt lassen, in Verbindung mit den in Frage kommenden Behörden alles zu veranlassen, was nach dieser Richtung hinzielt. Dr. Straus: Ich danke Herrn Grünbaum für seine ausgezeichneten und überaus interessanten Ausführungen. Ich gebe gern dem Wunsche der Versammlung Ausdruck, daß das vorgetragene Referat möglichst bald den Mitgliedern im Druck zugänglich gemacht und an die Presse zum Abdruck verschickt werden möge, und eröffne nunmehr die Aussprache. — 38 —

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