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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 36

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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reich. Bei jugendlichen Binnenwanderern ist diese Behandlung der Rückbeförderung — eventuell die Aussöhnung mit dem Elternhause — der einzig mögliche Weg. In Bezug auf die Staatenlosen sei auf den Erlaß des Reichsarbeitsministers über die Gewährung von Erwerbslosenunterstützung an Staatenlose hingewiesen. Die Leute sind zu ermahnen, sich an einem bestimmten Orte ansässig zu machen, um diese staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, die dann sicherlich in jeder Stadt von den Wohlfahrtsstellen der jüdischen Gemeinden ergänzt wird. Der Weg, den Wanderern Arbeit zu verschaffen, ist bei dem augenblicklichen Stand der Erwerbslosigkeit sehr schwer. Hoffen wir, daß die Einrichtung einer Arbeitsstätte, die gestern hier besprochen worden ist, Erfolg hat, dann werden wir bestimmt ein Stück vorwärts kommen in unserer Arbeit. In Bezug auf die Formalitäten, die mit der Abfertigung verbunden sind, ist zu wünschen, daß die Kassen die Formulare — also die Ueberweisungs- und Meldekarten — sachgemäß ausfüllen, damit einmal die Nachbarkasse genau informiert ist, und dann, damit die Zentrale in Berlin die genauen Personalien hat* um zu vermeiden, daß Würdige abgewiesen und Unwürdige befördert werden. Ich weise auch darauf hin, daß die Melde- und Warnungslisten nicht genügend beachtet werden. Unerklärlich sind die vielen großen Geldspenden, die einzelne Kassen geben, ohne den Wanderern Fahrkarten zu geben. Entweder liegen die Bedingungen vor, einen Wanderer abzufertigen, dann muß er Fahrkarte und Zehrgeld erhalten, oder aber sie liegen nicht vor, dann muß er abgewiesen werden. Es ist durchaus unerwünscht, daß diesen Leuten Spenden in Höhe von 5 bis 10 M., ja sogar 20 M., gegeben werden, damit sie Weiterreisen können unter Hintergehung der regelrechten Wanderwege. Ueber die Beförderung auf weite Strecken ist schon so viel gesprochen und die Notwendigkeit so oft anerkannt worden, daß ich darauf nur kurz einzugehen brauche. Bei Strecken wie Köln—Berlin nach dem Osten müßte die Durchbeförderung in einfachen Fällen die Regel sein. Es ist aber den Grenzkassen wie Köln nicht möglich, die Durchbeförderung auszuführen, wenn sie keine Vorschüsse erhalten, denn eine Kasse wie Köln, die alle fünf Tage 1000—1500 M. Reisegeld nötig hat, kann nicht vier Wochen auf die Rückerstattung der Beträge warten, und so müßte von der Hauptstelle ein Modus gefunden werden, der die Durchbeförderung erleichtert, sei es, daß die Hauptstelle selbst Vorschüsse leistet, oder daß sie mit den auf der Strecke liegenden Kassen in Verbindung tritt, um Vorschüsse zu erhalten. Ein weiterer zur Besprechung stehender Punkt ist, welche Mängel sich in der praktischen Arbeit in Bezug auf die Gesamtorganisation zeigen. Es wäre nötig, daß von Zeit zu Zeit nicht nur in Berlin eine Sitzung stattfindet, sondern daß im Laufe eines oder zweier Jahre im Orte einer jeden Provinzialkasse eine Besprechung stattfindet, in der die Provinzialkasse den Vertretern der Hauptstelle ihre Klagen und ihre Wünsche vorbringt, wodurch es möglich wird, die Arbeit der einzelnen Kassen zu heben. Auch müßten Versammlungen in großem Maßstabe in den größeren Gemeinden stattfinden, um das Interesse an der Wandererfürsorge zu heben. Die Organisation muß ferner vertieft werden. Was nützt es, daß wir Tausende von Namen der zwecklos Reisenden in unseren Meldelisten bekanntgeben, daß wir vor Bettelbriefstellern und betrügerischen Sammlern warnen, wenn diese in den noch unorganisierten Landesstellen Schlupfwinkel finden. Die kürzlich stattgehabte Versammlung in Bremen hat gezeigt, wie notwendig solche Versammlungen sind, daß es aber auch nicht mit den Versammlungen allein geschehen ist, sondern, daß es einer eingehenden Arbeit bis zur zufriedenstellenden Lösung bedarf. — 36 —

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