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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 33

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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einer großen französischen Emigrantengesellschaft direkt bis nach dem Heimatstaat finanziert wird. Um aber zu verhindern, daß die Rückwanderer deutsche Stellen noch ebenfalls in Anspruch nehmen, ist die Rückbeförderung über unsere Stellen in Aussicht genommen worden unter Rückzahlung der dadurch uns entstehenden Kosten. Im Auslande bringt man der von uns in Deutschland geschaffenen Organisation das allergrößte Interesse entgegen. Immer wieder gehen bei uns Anfragen ein, die sich darüber orientieren wollen, in welcher Form die Organisation bei uns aufgebaut ist, und wie es uns gelungen ist, in so verhältnismäßig kurzer Zeit eine derartige Organisation zu stabilisieren. Daß es in den an Deutschland angrenzenden Staaten bisher zu einer ähnlichen Organisation wie die unsere nicht gekommen ist, liegt an den außerordentlich komplizierten Organisationsverhältnissen in jenen Ländern überhaupt. Dr. S t r au s : Ich erteile nunmehr das Wort Herrn Grünbaum-Hannover zu seinem Referat. Grünbaum-Hannover: Erfahrungen und Ergebnisse der Provinzialarbeit Das Referat: „Erfahrungen und Ergebnisse der Provinzialarbeit" hat den Zweck, von der Gesamtheit der jüdischen Wanderfürsorge Deutschlands einen Einzelausschnitt zu zeigen. Für die praktische Arbeit in der Wanderfürsorge ergeben sich drei wichtige Gesichtspunkte, und zwar 1. Steuerung der augenblicklichen Not, d. h. wie helfe ich den bei mir vorsprechenden Wanderern im Augenblick am besten? 2. Beobachtung der Zukunftswirksamkeit der Fürsorgemaßnahmen, d. h. Berücksichtigung der Auswirkung der Hilfe für die Lebensgestaltung des Betreuten. 3. Rücksichtnahme auf die wirtschaftliche Lage der Gemeinden, d. h. bei aller Notwendigkeit der Hilfe für die bedürftigen Wanderer und bei dem besten Willen, jedem einzelnen individuell und gründlich zu helfen, ist es doch notwendig, auf die wirtschaftliche Lage der Gemeinden Rücksicht zu nehmen. Die Abfertigung der Wanderer ist der wichtigste Teil der Wanderfürsorge; von der Persönlichkeit, die direkt mit dem Wanderer in Berührung kommt, hängt die Qualität der Fürsorgearbeit ab. Von ihrer sozialen Einstellung und religiösen Auffassung, von ihren sonstigen persönlichen und seelischen Qualitäten hängt es ab, ob der Wanderer zu seinem Recht kommt oder nicht. Somit steht und fällt die ganze Arbeit in der Wanderfürsorge mit dem die Abfertigung ausführenden Beamten. Wenn ich nun bei den Kassen meiner näheren Umgebung Umschau halte, so ergibt sich nach dieser Richtung hin ein sehr trauriges Bild. Bald sind diejenigen, die die Abfertigung ausführen, unfähig, bald zu alt, oder sie sind ehrenamtlich tätig und haben nicht genügend Zeit. Es muß deshalb gefordert werden, daß die Gemeinden die Abfertigung der Wanderer in solche Hände legen, die die Gewähr dafür geben, daß den Armen ihr Recht wird. Die Gemeindevorstände müssen davon überzeugt werden, daß es nicht angängig ist, die Wanderer von dem Beamten in der Gemeinde, der am wenigsten dazu geeignet ist, abfertigen zu lassen. Der beste Beamte in der Gemeinde ist für dieses Amt gerade gut genug. — 33 —

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