Mannheim
Compact Memory

Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2709108-2709109-2709111--037-2709212
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ob man die Zentralstelle in Berlin einrichtet oder sie ablehnt, weil sie in Berlin sein soll, darauf sollten Sie doch keine Rücksicht nehmen. Wenn es keine ernsten Bedenken gegen die Frage der Kolonie gibt, ist es gut. Die Hauptsache ist doch, sich immer wieder die Frage vorzulegen, wie vielen Menschen kann man damit helfen. Eines scheint mir aber klar zu sein. Wenn der Versuch unternommen wird, dann soll man nicht so anfangen, daß man nun irgendwo 2—3 kleinere Heime errichtet. Dann wollen wir schon unsere ganze Kraft auf eine Sache setzen und mit aller Energie versuchen, daraus etwas Gutes zu machen. Wir kennen alle das Kernproblem der Frage und sehr genau die Bedenken. Wir wissen ganz genau, daß die Arbeiterkolonie kein Allheilmittel sein kann. Aber wenn wir das erreichen würden, was Pastor Braune gesagt hat, nämlich 200—250 Menschen durch landwirtschaftliche Arbeit zu erfassen, so scheint mir das für die Kolonie ausgegebene Geld außerordentlich gut angelegt zu sein. Adler-Rudel- Berlin (Schlußwort): Die Vorwürfe, die im Verlauf der Aussprache über die Vorbereitung des Materials zur Frage der Arbeiterkolonie erhoben wurden, haben zweifellos eine gewisse Berechtigung, was ich ohne weiteres anerkennen will. Die nicht genügende Vorbereitung aber war keine Nachlässigkeit des Büros, sondern mehr eine Folge des Umstandes, daß das ganze Problem der Wanderarbeitsstätte auch im Kreise des Vorstandes für derartig schwerwiegend angesehen wurde, daß gar nicht die Absicht bestand, von der heutigen Tagung einen festen Beschluß über die Gründung einer Arbeitsstätte mitzunehmen. Herr Pastor Braune hat auch in diesem Sinne mein Referat verstanden, daß es sich vorläufig nur darum handelt, eine Klärung Öber die Schaffung einer eigenen Arbeiterkolonie herbeizuführen. Mehr wollten wir fürs Erste nicht, als die Frage zur Debatte zu stellen und Ihre Meinung zu hören. Dies ist geschehen, und wenn wir nun das Für und Wider abwägen, so ergibt sich einwandfrei, daß Sie sich wohl nicht alle mit dem Gedanken der landwirtschaftlichen Arbeiterkolonie befreunden können, daß aber alle Redner der Meinung waren, daß der bisherige Zustand unhaltbar sei, und daß wir Vorkehrungen treffen müssen, die es uns ermöglichen, jene Wanderer, die ziellos sind und in Arbeitsstätten nicht untergebracht werden können, eine Zeitlang an einem OTt festzuhalten und zu beschäftigen. Ob wir dies im Rahmen der Arbeiterkolonie oder anderer Einrichtungen tun, ist eine Frage, die noch eingehender Prüfung bedarf, und in diesem Sinne ist auch die eingebrachte Resolution zu verstehen. Wir werden nun auf Grund dieser Resolution alle Projekte noch einmal durcharbeiten, sie nach jeder Richtung hin prüfen, um bei einer unserer nächsten Zusammenkünfte eine endgültige Entscheidung herbeizuführen. Dr. Straus-München: Ich unterbreite der Mitgliederversammlung als Ergebnis der Aussprache folgende Resolution: „Die Mitgliederversammlung nimmt mit Interesse und Dank Kenntnis von den Leitsätzen, die von den Referenten der heutigen Hauptversammlung für die Produktivierung der jüdischen Wanderung in Deutschland vorgelegt wurden. Sie bittet den Vorstand, die vorgelegten Projekte der landwirtschaftlichen und der gewerblichen Produktivierung und die Frage des Ausbaus des jüdischen Arbeitsnachweiswesens einer weiteren Prüfung und Beratung zu unterziehen und über deren Ergebnis die Mitglieder zu unterrichten." Da sich aus der Versammlung heraus kein Widerspruch gegen die Resolution erhebt, betrachte ich sie als einstimmig angenommen, und damit glaube ich, daß wir die Debatte schließen können. Ich erteile Herrn Berger das Schlußwort. — 29 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.