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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 28

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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allein versorgen können. Es ist außerordentlich schwierig, ja fast unmöglich, einen Zugewanderten in unseren Betrieben unterzubringen. Deshalb sollten neben der Siedlung auch noch andere Versuche gemacht werden, um diese Wandernden der Arbeit zuzuführen und zu erhalten. Berger-Berlin (Schlußwort) Ich will mich bemühen, recht kurz zu sein. Die Debatte war nach mancher Richtung hin durchaus fruchtbar. Ich bin besonders dankbar den Herren Dr. Cohn und Dr. Baum. Ich glaube, daß wir unermüdlich die Gesetzgebung beeinflussen müssen, und ich glaube auch, wir können nachweisen, welche außerordentlichen Erfolge wir bei einer zähen Arbeit in dieser Richtung gehabt haben und welche noch möglich sind. (Sehr richtig!) Wenn ich einen einzelnen Faktor erwähne; es ist doch nach einer vierjährigen Arbeit voll von Schwierigkeiten und Mißerfolgen endlich gelungen, dem staatenlosen Arbeitslosen das Recht zu verschaffen, daß er dem deutschen Arbeitslosen gleichgestellt ist. Dieses Recht hatte er 4 Jahre lang nicht gefunden. Er erhält jetzt Erwerbslosen-Unterstützung genau so wie der deutsche Arbeiter. Ich bin bereit, ein Dutzend anderer Fälle heranzuziehen, in denen es gelungen ist, die Gesetzgebung zu beeinflussen. Selbstverständlich muß unermüdlich zähe Arbeit geleistet werden, und die sind wir in höchstem Maße zu leisten auch weiter bereit. Ein wirklicher Erfolg der heutigen Tagung ist es, wenn der Gedanke der Produktivierung in der jüdischen Wohlfahrtspflege Deutschlands sich durchsetzt. Herr Dr. Baum hat hier ungemein wertvolle Anregungen über die Behandlung der Staatenlosen gegeben. Ich kenne diese Verhandlungen von Genf her. Es handelt sich um ein richtiges Völkerbund-Problem. Ich teile die Auffassung von Herrn Dr. Baum, daß wir ganz energisch auf dem Gebiete weiter arbeiten müssen. Es ist kein Zufall, daß die Richtlinien zu dem Problem der Staatenlosen, die den verschiedenen Verhandlungen in Genf zu Grunde lagen, mit den Vorschlägen übereinstimmen, die wir vom jüdischen Arbeiterfürsorgeamt seit Jahren propagiert haben. Mit Recht wurde gesagt, daß wir nicht zugunsten des einen Projekts die anderen Möglichkeiten unterschätzen sollen. Ich betone nochmals, daß dies zu einem Mißerfolg führen würde. Selbstverständlich müssen die Arbeitsnachweise weiter ausgebaut werden, denn jeder, der an Ort und Stelle Arbeit nachgewiesen erhält, wird vor dem Wandern geschützt und damit zu einem produktiven Mitglied der Gesellschaft gemacht. Denn Arbeit ist das Beste, womit man einem Menschen helfen kann. Aber darüber hinaus ist doch schon in der Zentrale Berlin mit Erfolg der Versuch in manchen Fällen gemacht worden, über Berlin nach anderen Orten zu vermitteln. Diese Zentralisation der Arbeitsnachweise ist auszudehnen. Das ist eine langsame und schwierige Arbeit. Sie kann nur dann erfolgreich sein, wenn in allen Arbeitsnachweisen schnell und gut arbeitende Beamte sitzen. Der Ausbau der Arbeitsnachweise wird ein wesentlicher Teil unseres Programms sein. Und wenn von allen Arbeitsnachweisen mit Nachdruck auf die jüdischen Arbeitgeber hingewirkt wird, Arbeitskräfte, die sie brauchen, beim jüdischen Arbeitsnachweis anzufordern, werden wir schon etwas erreichen. Die Zahl der nicht guten Arbeitskräfte ist im Verhältnis nicht größer als bei anderen Arbeitsnachweisen. Das Schlimme ist nur, daß bei Mißerfolgen sowohl der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer die übliche Ausrede haben: Nie wieder ein Jude. Der eine hat den schlechten Chef, der andere den schlechten Arbeiter gehabt. Trotzdem können wir erfreulicherweise in Berlin feststellen, daß wir Firmen, die mit zu den größten Berlins gehören, haben, die regelmäßig ihre offenen Stellen beim jüdischen Arbeitsnachweis melden. — 28 —

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