Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 1 (1927-1928)
- Issue
- 1-2 (Juli-August 1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Unterstützen, die unter gunstigen Bedingungen und bei menschlicher Behandlung gewillt sind, produktive Arbeit zu leisten. Die jüdischen Wanderer sind keine Gewohnheits- und Abenteuerwanderer, sie wandern, weil sie müssen. Man kann unterstellen, daß ein starker Prozentsatz sich sowohl in der Landwirtschaft als auch im Handwerk unbedingt bewähren wird. Im übrigen ist es möglich, daß man bei einem Gelingen des Versuches, wenn sich unsere Leute in der Landwirtschaft bewähren, damit rechnen kann, aus Mitteln der öffentlichen Hand auf Grund des Reichssiedlungsgesetzes auch für unsere Unternehmen Gelder zu erhalten. Ebenso wird es möglich sein, wie bei allen Siedlungsbestrebungen Zwischenkredite aus der Hauszinssteuer für Siedlungsbauten zu bekommen. Dr. Baum-Berlin: Die Frage der Arbeiterkolonie scheint mir heute genügend diskutiert worden zu sein. Es ist aber ein so ernsthaftes, wichtiges und schwieriges Problem, daß wir kaum heute zu einer Entscheidung kommen dürften. Die Frage wird weiterhin in kleinerem Kreise aufs genaueste erörtert werden müssen. Ich möchte mit einigen Worten nur noch an das anknüpfen, was Herr Dr. Oscar Cohn ausgeführt hat. Er betonte mit Recht, daß die Frage der jüdischen Wanderfürsorge kein enges national-staatliches Problem ist, sondern ein politisches, ein internationales Problem von weittragender Bedeutung. Der Strom derjenigen Menschen, die aus dem Osten nach Deutschland kommen, eigentlich ohne Absicht, in Deutschland zu bleiben, sondern nur, um weiterzuwandern, um sich draußen in der Welt eine Existenz zu schaffen, wird nie aufhören. Die Unterbringung und Versorgung dieser Menschen in Deutschland ist schwer, ja unmöglich. Wir können ihnen aus den mannigfachsten Gründen hier keine Existenz schaffen. Das ist eine deprimierende Erkenntnis. Wir können ihnen hier beim besten Willen nicht mehr bieten, als sie zu Hause hatten. Es müßte deshalb erwogen werden, ob nicht in irgendeiner Form auf internationalem Wege die Rückwanderung wieder gefördert werden könnte. Unsere deutsche Arbeitergesetzgebung ist gegenüber den Ausländern eine absolut ungerechtfertigte. Es müßten gerade in Bezug auf das Wandererproblem in die Handelsverträge Vorschriften aufgenommen werden, denn es handelt sich ja gar nicht um Probleme, die nur Juden angehen, sondern auch Nichtjuden werden aufs schwerste von dem augenblicklich herrschenden Zustande betroffen. Insbesondere müßten mit Polen Verhandlungen getroffen werden, daß die Arbeitsbeschränkungen ein Ende finden. Es ist zu Gunsten unserer Hilfsbedürftigen in den vergangenen Jahren schon manches erreicht worden. Diejenigen, die staatenlos geworden sind, brauchen es nicht in alle Ewigkeit zu bleiben. Für eine große Zahl derjenigen, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, ist die. Möglichkeit gegeben. Man muß deshalb diesen Leuten die Möglichkeit der Rückwanderung veranschaulichen und nahelegen. Dr. Oppen heim -Mannheim: Ich komme aus einer Gegend in Deutschland, wo die Organisation, die von Berlin aus begründet worden ist, noch wenig Fuß hat fassen können. Die Gründe sind darin zu suchen, daß immer wieder erneut nach dem Zweck der Organisation gefragt wird. Die Organisation allein befriedigt nicht. Deshalb wäre es gut gewesen, wenn wir das Material dieser Verhandlungen vorher zur genaueren Erörterung erhalten hätten. Ich glaube kaum, daß die Menschen, um deren Wohl wir uns bemühen, überhaupt zur Landarbeit fähig sind. Auch in Bezug auf die Arbeitsnachweise bin ich nicht sehr optimistisch. Die Arbeitsnachweise, die früher bestanden haben, haben nicht allzu wirkungsvoll gearbeitet. Wir haben in Mannheim einen Arbeitsnachweis, und wir sind froh, wenn wir die in Mannheim Ansässigen — 27 —