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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 26

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Güter.Direktor Dyk: Wen« Sie unterstellen, daß sich die jüdischen Wanderer für die Landwirtschaft nicht eignen, so ist es natürlich am besten, wenn man von jeder Bestrebung, Juden, die die Wanderfürsorge in Anspruch nehmen, dieser Betätigung zuzuführen, absieht. Aber ob Sie, meine Damen und Herren, das unterstellen dürfen, das ist eine andere Frage. Aus der Erfahrung heraus kann man vielleicht auch als Nichtfachmann sagen, daß es bisher nicht gelungen ist, in Deutschland die Wanderer im Handwerk und im Gewerbe zu beschäftigen. Da das nicht gelungen ist, suchen sie ja nach anderen Beschäftigungsmöglichkeiten. Aus meinen Erfahrungen heraus, allerdings nicht mit Wanderjuden, weiß ich, daß junge Menschen, die arbeiten können und wollen, auch in Deutschland in der Landwirtschaft und im Gartenbau zu einer Leistungsfähigkeit kommen, die der Leistungsfähigkeit des in der Landwirtschaft arbeitenden Durchschnittsdeutschen gleichkommt. Aber nicht nur als Betriebsleiter, Beamte, Gärtner und qualifizierte Gehilfen, sondern auch als ungelernte Arbeiter, die alle laufenden Tagesarbeiten auf dem Felde und im Garten zu verrichten imstande sind. Sie wollen doch, daß der Jude im allgemeinen und der Wanderjude im besonderen produktiv sich betätigt. Es ist vielleicht aus psychologischen Gründen, nachdem diese Wanderjuden dauernd in den Städten in ihren Berufen keine Beschäftigung finden können, sehr wertvoll, daß sie in dieser neuen Betätigung, im Zusammenhang mit der Natur und durch die andere Behandlung als bisher in den städtischen Berufen zur positiven Leistung kommen können. Ich spreche zu Ihnen als landwirtschaftlicher Sachverständiger und möchte nicht für die Sache an sich propagieren. Bezüglich des Kapitalbedarfs ist hervorzuheben, daß der Betrag von 300 000 RM. ja nicht ä fonds perdu gegeben ist, sondern einen Anlageposten darstellt. Das Anlagekapital wird steigen durch die Wertsteigerung des Grund und Bodens. Es ist nur zu berücksichtigen, ob Sie die jährliche Zuscbußsumme aufbringen können, und ob es lohnt, eine Anzahl Leute dauernd zu beschäftigen. Ich habe an 50 Leute gedacht, in der Hauptsache vom Standpunkt der Landwirtschaft ausgehend, und nicht die Gärtnerei von vornherein genügend berücksichtigt. Hier befinde ich mich allerdings im Gegensatz zu Herrn Pastor Dr. Braune. Meiner Meinung nach muß der Gärtner qualifizierter sein als der Landarbeiter. Man kann einen erwachsenen Menschen, der ungelernt ist, nicht dauernd in der Gärtnerei beschäftigen. Es gibt nicht immer Kirschen zu pflücken und ähnliche Dinge, die man einem erwachsenden Menschen übertragen kann. Dies sind ja meistens Arbeiten für Frauen und Kinder. Der gärtnerische Beruf ist schwieriger als die Betätigung in der Landwirtschaft. Man kann indessen die Arbeiter allmählich von der Landwirtschaft in die Gärtnerei überführen und kann dann auch an eine Anzahl solcher Arbeiter denken, die man beruflich ausbildet und dauernd beschäftigt, im Gegensatz zu solchen, die aus verschiedenen Gründen nur vorübergehend in dem Betriebe Arbeit finden sollen. Bei 2000 Morgen kann man in mehreren Jahren einer großen Anzahl jüdischer Menschen produktive Arbeit geben. Haben wir dann die Erfahrung gemacht, daß sich die Menschen in diesem Betriebe bewährt haben, so besteht ja die Möglichkeit, weitere Betriebe zu gründen. Bei dieser landwirtschaftlichen Betätigung kann man immer weiter und immer mehr versuchen, die Menschen in den mit der Landwirtschaft verbundenen gewerblichen und handwerklichen Nebenbetrieben zu beschäftigen. Aus verschiedenen Gründen ist es gut, sie in der freien Natur zur gesunden Arbeit kommen zu lassen und eine größere Anzahl im Gartenbau und in der Landwirtschaft zu beschäftigen. Man wird dem Leiter des Heims eine unbedingte disziplinarische Gewalt überlassen müssen. GewohnheLtsfaulenzer können nicht mit einer dauernden Fürsorge, auch wenn sie Wanderer geworden sind, rechnen. fAan soll nur solche Menschen dauernd — 26 —

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