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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 23

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Haben wir weiterhin die Möglichkeit, Menschen unserer Anstalten Arbeit zu vermitteln? Sie sagen, bei den Juden ist es schwieriger. Ich glaube» daß die Möglichkeit, Arbeit zu vermitteln, sowohl für uns als auch für Sie gegeben ist, wenn auch diese Vermittlungstätigkeit nur außerordentlich langsam vor sich gehen kann. Sie müssen immerhin bedenken, daß wir weiterhin in allen unseren Herbergen mit 4—5 Millionen Verpflegungstagen zu rechnen haben. Bekommt man für einen Menschen keine Arbeit, und er hält sich 1—2 Jahre in unseren Arbeitsstätten auf, so erscheint mir das immerhin noch weit besser, als wenn er sich in der Welt herumtreibt. Alles, was ich Ihnen, meine Damen und Herren, gesagt habe, alle Gründe, die ich für die Notwendigkeit und Dringlichkeit unserer Arbeit anführte, sind in der praktischen Erfahrung gewonnen, die wir seit langer Zeit gesammelt haben. Chassel-Hamburg: Es gibt wohl keinen unter uns, der Herrn Pastor Braune nicht von Herzen dankbar wäre für seine sachdienlichen und hochinteressanten Ausführungen. Zur Sache selbst möchte ich bemerken, daß es uns wohl kaum möglich sein dürfte, hier einen endgültigen Beschluß zu fassen. Das ExposS ist uns erst heute zugestellt worden, die Höhe der notwendigen Kosten haben wir erst heute erfahren, so daß es kaum möglich sein dürfte, jetzt zu einer endgültigen Stellungnahme zu kommen. Umsomehr, als wir alle hier Organisationen und Körperschaften vertreten, so daß wir ohne Befragung unserer Auftraggeber eine endgültige Erklärung, die ja von größter Tragweite sein müßte, nicht abgeben können. D r. S t r a u s : Es ist gar nicht beabsichtigt, heute hier endgültige Beschlüsse herbeizuführen. Die heutige Versammlung sollte nur der Beratung dienen und hat deshalb nur den Charakter einer vorbereitenden Besprechung. Wir geben Herrn Chassel allerdings insofern recht, als es richtiger gewesen wäre, durch Versendung der Exposes die beteiligten Kreise vorher zu orientieren. Berger-Berlin: Ich teile, um das gleich vorwegzunehmen, durchaus die Meinung von Herrn Chassel. Was wir beabsichtigen wollten, und was erzielt worden ist, ist, eine Debatte über diese außerordentlich wichtige Frage herbeizuführen. Die drei Referenten haben keine einheitliche Meinung vertreten, und das dürfte zu denken geben. Ich meinerseits glaube, daß der Weg, eine gärtnerische Anstalt zu errichten, zweckmäßiger ist, und ich halte deshalb die Ausführungen von Herrn Pastor Braune für außerordentlich beachtenswert. Wir wollen keine Beschlüsse herbeiführen, sondern wir wollen uns nur im Augenblick über das in Frage kommende Problem ernsthaft unterhalten. Auf der anderen Seite stimmt es allerdings auch nicht, daß die Organisationen und Körperschaften im Reich über diese Fragen von uns nicht unterrichtet worden sind. Es dürfte kaum jemand hier sein, mit dem und in dessen Kreise nicht einer unserer Mitarbeiter über diese Fragen eingehend gesprochen hat. Fast überall haben Versammlungen der Provinzkörperschaften stattgefunden, in denen über diese Fragen eingehend diskutiert worden ist. Wir haben daher auch schon viele Meinungsäußerungen seitens unserer Mitarbeiter im Reiche «erhalten. Vor zwei Jahren allerdings wäre eine derartige Diskussion, wie sie heute geführt wird, nicht möglich gewesen. Wir freuen uns, daß unsere Organisation in der verhältnismäßig kurzen Zeit soweit gediehen ist, daß derartige Fragen von uns diskutiert werden können. Ich bitte Sie dringlich, keinen Antrag zu stellen oder beschließen zu wollen, daß wir das Geld für die Gründung der ersten dieser Anstalten vom — 23 —

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