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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1927-07-01 · 1-2 (Juli-August 1927) · page 19

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
1 (1927-1928)
Issue
1-2 (Juli-August 1927)
Date
1927-07-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Neben der landwirtschaftlichen Siedlung käme eventuell der Ausbau von Brocken*- Sammlungen nach dem berliner Muster in einigen Großgemeinden in Frage, wo diese Einrichtungen mit Unterkunftsheimen verbunden werden müßten, und wo vielleicht ebenfalls Gelegenheit wäre, hundert bis hundertzwanzig Menschen zu beschäftigen. Eine solche Einrichtung erfordert bestimmt weniger Kosten als eine landwirtschaftliche Kolonie. Sie hat aber größere Schwierigkeiten, denn sie müßte in einer Großstadt gelegen sein, und gerade die Großstadt eignet sich für derartige Anstalten am allerwenigsten. Die Kontrolle über die Insassen ist durch die Ausdehnung der Stadt sehr schwierig; die Möglichkeit für die Insassen, in der Stadt Besorgungen fiktiver oder wirklich notwendiger Art vorzunehmen, ist eher gegeben; die Kosten der Verpflegung, Verwaltung und Ueberwachung sind wesentlich höher, der Erfolg einer aolchen städtischen Anstalt wesentlich geringer. Doch wie dem auch sei, welches der beiden Projekte beschlossen wird, Grundsatz muß es für uns sein, daß eine derartige Einrichtung nicht einer einzelnen Gemeinde unterstellt werden kann, ebensowenig wie eine Einzelgemeinde in der Lage ist, die Kosten aufzubringen. Es kann sich nur um eine Reichsanstalt im Rahmen der Hauptstelle handeln, bei der die Verwaltung liegen muß, und von der allein die Besetzung der Anstalt vorgenommen werden kann. Die Frage berührt sämtliche Gemeinden Deutschlands und sämtliche Provinzialkassen; die zu schaffende Anstalt kann daher nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn sie von allen Kassen getragen wird und allen Kassen dienstbar ist. Ich habe Ihnen auch die Schwierigkeiten und Bedenken, die einer solchen Gründung entgegenstehen, nicht verhehlt, ich habe bereits angedeutet, daß es sich fürs erste um ein Experiment handelt. Im Rahmen der praktischen Arbeit und auf Grund der bisherigen Erfahrungen bin ich davon überzeugt, daß wir im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung unserer Arbeit dieses Experiment wagen müssen, denn wir können uns der Tatsache nicht verschließen, daß durch Organisation und Beförderung allein das Wanderfürsorgeproblem nicht gelöst werden kann. Neben den praktischen Maßnahmen der Organisation des Arbeitsnachweiswesens müssen wir in der Lage sein, hierfür in Frage kommende Wanderer eine Zeit lang fest unterzubringen und beschäftigen zu können, wenn wir ihnen wirklich so helfen wollen, wie es unser aller Wille ist. Es ist von Ihnen und Ihren Entschlüssen abhängig, ob die eingeleiteten Vorarbeiten fortgesetzt und zu einem gedeihlichen Ende geführt werden. Ich bitte Sie, die vorgelegten Exposes einer eingehenden und sachlichen Prüfung zu unterziehen, damit wir die Grundlage zu einem positiven Entschluß wirklich schaffen können. II. Sitzung. Sonntag nachmittag. Dr. Straus: Der Kassenbericht der Hauptstelle liegt Ihnen, von einem Bücherrevisor geprüft und vom geschäftsführenden Vorstand genehmigt, vor. Falls sich kein Widerspruch erhebt, erachte ich den Finanzbericht als erledigt und spreche dem geschäftsführenden Vorstand im Namen der Mitgliederversammlung die Entlastung aus. Ich eröffne nunmehr die Generaldebatte zu den drei Referaten von heute Vormittag. Dr. Finkel-Ber lin : Die Ausführungen der drei Referenten haben uns an mehr als einer Stelle ergriffen und aufs tiefste erschüttert. Sie zeigten uns von den verschiedensten Seiten her, wie dringend Hilfe nötig ist. Ich darf im Namen der Großloge hier versichern, daß sich die B'ne B'riss-Logen mit der Frage eingehend beschäftigen werden. Der Referent Berger hat bereits darauf hingewiesen, daß unsere Logen sich schon in den neunziger Jahren, und zwar nicht nur in Schrift und Wort, sondern mit der — 19 —

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