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Blau-Weiss-Blätter · 1921-08-01 · 11-12 (8.1921) · p. Seite 208

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
11-12 (8.1921)
Date
1921-08-01
Page
Seite 208 (sequence 22)
Language
German
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den sich die Boy Scout Erziehung selber setzt, immer von neuem einen Jungen anzuregen „für sich selber zu lernen". Das Beispiel des Aelteren und die nie erschöpften Arbeitsmöglichkeiten scharfen eine Umgebung von stärkstem Anreiz für den gesunden Tätigkeitsdrang eines Jungen. Dieser Drang genügt sich selbst, so sehr auch ein Zweck von außen gesetzt wird. Und in diesem Sinn sollte man auch alles Bemühen der Boy Scouts um Scoutkunst, um praktisches Wissen, um Bestehen der Prüfungen und die Abzeichen verstehen: Es ist nicht ein bloßes Bemühen um Zweck und Leistung, sondern im tieferen Grunde ein Bemühen um sich selber. Die erzieherische Gesinnung Baden-Powells ist das Gegenteil des Kasernenhofstils, nämlich: Tätige Liebe. Man kann nicht aufzählen, welche Unsumme von Möglichkeiten praktischen Wissens von der Boy Scout Erziehung geboten werden. Auch kommt es hier weniger auf die Tatsache als solche, sondern ihren Geist an. Vieles war schon im Märzheft genannt und steht besonders in den Prüfungsbedingungen der Scoutklassen (S. 100—102). Wer sich aber nicht schon aus den Vorstellungen „Waldkunst" und „Lagerleben" ein Bild von Ausmaß, Kraft und Schönheit des Scoutwissens gemacht hat, der kann es auch aus Büchern und den folgenden Notizen, die obendrein aus ihrem Zusammenhang gerissen sind, nicht gewinnen. Spurenlesen. _ - Der Scoutmaster läßt durch die Scouts ein Stück Boden völlig ebnen, glätten und zur Hälfte besprengen, als ob es geregnet hätte. Nun durchquert einer von ihnen den Platz im Schritt, im Laufschritt und zu Rad. An den entstehenden Spuren werden die Unterschiede erkannt, sodaß jeder Scout vor allem genau herauszufinden vermag, ob die Fährte von einem gehenden oder einem laufenden Menschen herrührt. Wenn möglich, führt man die Jungen am nächsten Tage wieder an dieselbe Stelle, damit man auch das Alter einer Spur beurteilen lernt. Beim Spurenlesen müssen wir aus einer ganzen Menge unbedeutender Merkmale einen Zusammenhang herausschälen, der uns ein gutes Bild jener Vorgänge bietet, durch die die Spuren entstanden sind. Jemandem, der nicht Schlüsse ziehen kann, wird ihr Sinn stets verborgen bleiben. Schlüsseziehen. Dr. Bell aus Edinburgh soll das Original sein, nach dem Conan Doyle seine Sherlock Holmes Idee erfunden hat. Einst hielt der Arzt seinen Studenten eine Vorlesung. Ein Patient wurde vorgestellt, an dem der Doktor demonstrieren wollte, wie man Verletzungen behandelt. Als der Patient hereinhinktet wandte sich der Doktor an einen seiner Studenten und fragte ihn: „Was fehlt dem Mann?" Der Student antwortete: „Das weiß ich nicht, ich habe ihn doch nicht danach gefragt," „Das ist ja gar nicht nötig, sagte der Doktor, das können sie ja selber sehen, — sein rechtes Knie ist verletzt; er hinkt ja auf dem rechten Bein; er hat eine Brandverletzung, seine Hose ist am Knie angesengt. Heute ist Montag Morgen. Gestern war schönes Wetter, Sonnabends war es naß und dreckig. Die Hosen des Mannes sind ganz dreckig, also ist er am Sonnabend Abend hingefallen!" Dann drehte er sich um und sagte zu 208

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