Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 11-12 (8.1921)
- Date
- 1921-08-01
- Page
- Seite 207 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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eigener Ausführung, die Fähigkeit, im Angesicht der Natur, von Feld, Baum und Busch mit der Klugheit des Hinterwälders zu lesen, das und tausend andere Kunstfertigkeiten sind es, die uns die Schule nicht lehrt und die nichts destoweniger in der Entwicklung eines Mannes, der dieses Namens würdig sein soll, ganz entscheident sind. Zu allen diesen Künsten und Kunstgriffen des Primitiven findet der Junge das engste Verhältnis, — weil der Junge die Wiedergeburt des vorzeitlichen Menschen darstellt. Was für uns die Fahrt ist, ist für den Boy Scout das Lager. In ihm ist der Ort aller Uebungen und der Anwendung jenes praktischen Wissens, das zur Scoutkunst gehört, in ihm aber auch die Stätte der täglichen Feuernächte wo alles sich um die Flamme schart und manches „Garn gesponnen44 wird. Die Freizeit des Wochenendes (weekend) führt Patrol und Troop schon am Sonnabend ins Freie, zu den gewohnten Jagdgründen; ein einfaches Lager wird schnell aufgeschlagen und bleibt der Mittelpunkt der ganzen Tage; heißer aber wird das Stand lager ersehnt, das man in den Ferien aufschlagen kann. Hier entsteht wirklich eine sichtbare Form des Lebens, die alles zusammenfaßt, die vom Ganzen des Zuges usw. geschaffen wurde und das Sinnbild des Ganzen ist, eine Sache, die einem durchaus zugehört und ein Heimatgefühl erweckt —, das von größter Intensität ist, weil es eben ein Besitzgefühl ist. Hier entsteht auch der Geist jener Selbstdisziplin, der auch nicht das mindeste vom Drill des Militärs hat und doch Zucht, Haltung, Würde bedeutet; er entsteht von selbst, aus dem engsten Zusammenleben heraus und aus der gemeinsamen Verpflichtung an eine Aufgabe, die vor aller Augen als nächste Wirklichkeit steht und die sich ein jeder bemüht, mit seinen besten Kräften durchzuführen. Praktisches, Wilsen. Mit seinen besten Kräften, d. h. mit seinem besten Wissen und Können. Mag die Veranlagung des Einzelnen sich noch so sehr ganz bestimmten Beschäftigungen zuneigen, von einem jeden wird dennoch verlangt, einen „Standard44 von Fertigkeiten und Leistungen zu beherrschen. Eine solche. Forderung, die die Besonderheit des Einzelnen scheinbar unberücksichtigt läßt und, wie man meint, einen Typus im Sinn hat, wird viele von uns befremden. Hat es sich doch bei uns fast überall eingebürgert, daß bei unseren Zügen nimer die gleichen Jungen kochen, Feuer machen usw. und daß immer ein Rest von „Unbeschäftigten44 bleibt, die selbst von den einfachsten Dingen "in <ter Praxis nichts verstehen, auch wenn sie schon Jahre lang im Blau-Weiß sind. Und doch sollte ein Bedürfnis,, das den ganzen Zug angeht, auch vom ganzen Zug befriedigt werden können. Ungeduldiges Moralisieren und rigoristisches Befehlen hilft hier garnicht weiter, sondern nichts als der Antrieb, 207