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Blau-Weiss-Blätter · 1921-08-01 · 11-12 (8.1921) · p. Seite 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
11-12 (8.1921)
Date
1921-08-01
Page
Seite 206 (sequence 20)
Language
German
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Als allereinfachste Unterkunft stößt man zwei gegabelte Aeste fest in den Boden und legt eine Stange quer über die Gabeln. Von der Seite leimt man nun Stöcke oder Reisig dagegen und verstopft die Zwischenräume mit -Gras, Laub oder Stroh. Noch schneller geht es, wenn man nur eine Stange gegen den Baum lehnt, sie daran festbindet, und nun Reisig seitlich legt. Sind keine Stangen zu haben, so kann man wie die südafrikanischen Eingeborenen verfahren, Strauchwerk oder Rohr fest in den Boden stecken, im Halbkreis, um den kalten Wind aufzuhalten, und in der Oeffnung ein Feuer anzünden. Die Zulu bauen ihre Hütten, indem sie in die Erde einen Kreis von langen, elastischen Stöcken, die aufrecht stehen, einpflanzen; dann biegen sie die oberen Enden nach der Mitte zusammen und binden sie miteinander fest. Hierauf legen sie immer mehr Stöcke kreuz und quer von innen und außen an dieses Gestell, bis es einem Vogelkäfig ähnlich sieht. Darüber decken sie dann Matten oder Bündel aus Stroh und flechten diese in das Holzgerippe ein. Zuweilen lassen sie an der höchsten Stelle .ein Loch, damit der Feuerrauch durch diesen Schornstein abziehen kann.- Die Indianer bauen ihr »Tipia mit mehreren Stangen, die in Pyramidenform zusammengebunden werden, und darüber legen sie Matten, wodurch das ganze in einer kleinen Entfernung wie ein Zelt aussieht. " Für ein Standlager empfehlen sich Zelte. Man kauft sich entweder Zeltbahnen oder stellt sich die eigenen Zelte während der Wintermonate her- Aus: Tribal Training. Für zwei Dinge muß in jedem Lager gesorgt sein, für Wald und Wasser. Die ganze Arbeit des Zeltabsteckens und Hüttenbauens, des Latrinen- und Ausgußausschachtens, der Anlage des Ratsplatzes, der Aufrichtung des Hordentotems usw. müssen die Jungen selbst machen; denn es ist ein wichtiger Bestandteil der Stammeserziehung. Latrinen und Waschplätze müssen mindestens 50 m von den Zelten entfernt sein, und die Hauptwindrichtung soll vom Lager zu den Latrinen verlaufen. Die Kochfeuer müssen auf der anderen Seite des Lagers und mindestens 100 m von den Latrinen entfernt sein. Es ist unbedingt nötig, daß alle Zelte und Hütten in'einem Hordenlager in primitivem Stil gebaut sind. Manche können Indianertipis, andere Zuluhütten sein usw. Aber keinesfalls sollen fertige gewöhnliche Feldzelte geliehen oder gekauft werden. Die Kunst des Zelte- und Hüttenbauens ist ein grundlegender Bestandteil der Stammeserziehung, und das versäumen» heißt: alles versäumen. Jeder Narr kann in den Laden gehen und ein Zelt kaufen, dazu braucht man bloß Geld. Waldkunst und die Liebe zur Wildnis vist nicht mit Geld zu kaufen; man kann sie nur auf eine Art erwerben» nämlich, wenn man ins Freie geht und handelt. Das Leben in einem Hordenlager gründet sich auf den Kampf mit der Natur, den die Menschen in den frühen Epochen der Geschichte zu bestehen hatten. Auf diese Art wird er nicht jene primitive Gewandtheit und die instinktive Fähigkeit, seine eigenen Gebrauchsgegenstände vom rohen Werkstoff bis zum fertigen Werk selbst zu machen, verlieren. Die Fähigkeit zu selbständigem Vorsatz, Entschluß und 206

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