Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1920-1921)
- Issue
- 11-12 (8.1921)
- Date
- 1921-08-01
- Page
- Seite 191 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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durchaus nicht fehlen. Aber unter dem Eindruck des Krieges und des auf allen Seiten entstandenen Chauvinismus wendet er sich gegen jedes patriotische „Jingotum", gegen einen Staat, der alle anderen Völker über den Haufen rennen will, gegen den „Macht*-Staat, die imperialistische Politik, gegen Krieg, Blutvergießen, Mord. In der offiziellen Pfadfinderei entdeckt er einen Widerspruch zwischen ihrem Prinzip der Weltfreundschaft und einer großen internationalen Jugendbewegung, wie sie sich auf dem „Jamboree", der Londoner Tagung der Boy Scouts aller Länder im Anfang August vorigen Jahres dargestellt hat, — und eben jenem chilisatorisch-militaristischem Geiste, den er bekämpft. Beides sei im Scöutleben vereinigt, und doch sei eines mit dem andern nicht vereinbar. Daher schlägt Hargrave eine klare Entscheidung vor,, innerhalb des Boy Scout Bundes und innerhalb einer einheitlichen Bewegung der englischen Jugend. Er wird nicht zum Sprecher einer Gruppe, die sich absondert, sondern bleibt auch als Kritiker der Boy Scout, der von dem Gedanken nicht abgeht, das, was er zu sagen hat, für die Gesamtheit des Bundes, der Jugend und somit für die Nation zu meinen. Von der Wirklichkeit geht er aus und verläßt sie in keinem Augenblick. »Wir sollten einmal und vor allem erkennen, daß Gedanken und Ideale, welche herrlich in den sozialen Bau von 1908 (Erscheinungsjahr des Bo'yscoutbuches) gepaßt haben, sehr schlecht passende Behelfe für 1920 sind". Das ist das Motiv seines Handelns, und damit scheidet er sich grundsätzlich von Stimmen, die uns in Deutschland bekannt klingen. Man muß sich sehr hüten, von gleichen Worten auf gleiche Bedeutungen zu schließen. Uns selbst können die Auseinandersetzungen, die heute intra muros der Boy Scouts die Gemüter erregen, gleichgültig sein. Wenn wir einen Staat hätten und die Jugend seines Volkes wären, dann hätten wir vielleicht Grund zu solchen Auseinandersetzungen, aber heute kann good citizenship, Staatsbürgertum als allgemeine Form politischer, also auf die poüteia ausgehender Haltung von niemanden ernstlich angegriffen werden. Das Mißverständnis, dem bei uns von vornherein der Versuch ausgesetzt war, das System der Boy Scouts in den Rahmen unseres Lebens einzuführen, schreibt sich von der Art der Einführung her und von zwei Gesichtspunkten, die in der Oeffentlichkeit des Blau-Weiß die Abwehr gegen eine fremdartig berührende Idee bezeichneten. Einmal glaubte man den Charakter des Blau-Weiß 5 als einer Jugendbewegung angetastet, dann aber schienen alle die vor den Kopf gestoßen, deren Sehnsucht einer stärkeren Betonung von allem Jüdischen galt. Dort vermißte man die Lebendigkeit, des Jugendhaften, hier jede Beziehung zur Idee der jüdischen Erneuerung;. Wie wenig diese Ausstellungen, die von den beiden Polen unserer Anschauung herkommen, den Kern des Boy Scout Wesens trafen, mag man schon aus den andeutenden Bemerkungen dieser Einführung erkennen; der Geist, der aus den im Folgenden wiedergegebenen Auszügen spricht, wird noch deutlicher reden. Auf Ueberzeugtsein kommt es allerdings nicht an, sondern auf Ergriffenwerden. 191